15. April, 2026

Wirtschaft

Wirtschaftliche Flaute trifft deutsche Börsengiganten: Gewinnrückgang und Arbeitsplätze auf dem Prüfstand

Wirtschaftliche Flaute trifft deutsche Börsengiganten: Gewinnrückgang und Arbeitsplätze auf dem Prüfstand

Die führenden börsennotierten Unternehmen Deutschlands stehen 2024 vor herausfordernden Zeiten. Laut einer Analyse von EY, einer renommierten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, verzeichneten die 100 umsatzstärksten Unternehmen des Landes in den ersten neun Monaten einen Umsatzrückgang von vier Prozent – das zweite Jahr in Folge mit sinkenden Zahlen. Der operative Gewinn (Ebit) nahm im Durchschnitt sogar um bedeutsame 19 Prozent ab. Besonders betroffen ist auch die Automobilindustrie, die trotz ihrer Spitzenposition bei Umsatz und Gewinn schwächelt.

Die Beschäftigungslage verschlechterte sich ebenfalls, zeigen die neuen Zahlen. Im Verlauf der ersten drei Quartale gingen über 30.000 Arbeitsplätze verloren, was einem Rückgang von 0,7 Prozent entspricht und den ersten Rückgang seit 2021 markiert. In der Zeit nach der Corona-Pandemie hatten viele Unternehmen ihre Belegschaften noch aufgestockt. Nun spricht EY von einer „Trendwende“.

Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY, beschreibt 2024 als ein schwieriges Jahr für die deutschen Marktführer, das von einer schwachen Wirtschaftslage und fehlenden Wachstumsimpulsen geprägt ist. Alarmierend sei, dass jegliches Wachstum in den letzten zwei Jahren oft unterhalb der Inflationsrate lag. Während 2023 noch 66 der 100 größten Unternehmen Umsatzsteigerungen verzeichnen konnten, gelang dies in diesem Jahr nur 48 Firmen.

Besonders stark spürten Energieversorger den Umsatzrückgang, der aufgrund gesunkener Strom- und Gaspreise 26 Prozent betrug. Auch Chemie- und Automobilbranchen mussten Einbußen hinnehmen, mit Rückgängen von fünf beziehungsweise zwei Prozent. Im Gegensatz dazu erzielte der Bereich Verkehr ein Umsatzwachstum von drei Prozent, während die IT-Branche einen Zuwachs von zwei Prozent verzeichnete.

Autohersteller führen weiterhin das Umsatzranking an: Volkswagen erzielte in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 237,2 Milliarden Euro, gefolgt von Mercedes-Benz mit 107,1 Milliarden und BMW mit 105,9 Milliarden. Den höchsten operativen Gewinn verbuchte die Deutsche Telekom mit 17,8 Milliarden Euro, gefolgt von VW (12,9 Milliarden) und Mercedes-Benz (10,4 Milliarden).

Für das kommende Jahr prognostiziert Brorhilker schwierige Rahmenbedingungen. Es wird erwartet, dass der negative Trend bei der Beschäftigung anhält. Er verweist auf die drohende Arbeitslosigkeit trotz des anhaltenden Fachkräftemangels.