Der Sanierungskurs für den Weltfrieden führt mitten durch die Wüste. Am Mittwochmorgen trat Donald Trump vor die Weltpresse und machte unmissverständlich klar, was er von seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin erwartet:
„Ich will, dass er den Krieg beendet.“ In seiner gewohnt direkten Manier verknüpfte der US-Präsident strategisches Kalkül mit einem Hauch von Anerkennung für Putins bisheriges Verhalten.
Hintergrund ist eine einwöchige Angriffspause auf Kiew und die ukrainische Energieinfrastruktur, die Putin auf Trumps persönliche Bitte hin gewährt hatte.
„Er hat sein Wort gehalten“, so Trump fast bewundernd.
Dass die Feuerpause am 1. Februar auslief und Moskau die Angriffe unmittelbar danach wieder aufnahm, nannte der Präsident eine „Enttäuschung“, die er gerne korrigiert sähe.
Die Kälte-Karte: Strategischer Stillstand als humanitäre Geste
Trump spielt im diplomatischen Poker geschickt die humanitäre Karte. „Wir nehmen alles, denn es ist dort wirklich sehr, sehr kalt“, erklärte er mit Blick auf die winterliche Lage in der Ukraine, wo Millionen Menschen nach russischen Attacken auf das Stromnetz ohne Heizung ausharren müssen.
Die einwöchige Atempause, in der Kiew weitgehend verschont blieb, wird von Washington als Erfolg der „Trump-Methode“ verkauft. Der US-Präsident suggeriert, dass nur sein direkter Draht zum Kreml überhaupt solche Zugeständnisse ermöglicht habe. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass Moskau die Zeit lediglich nutzte, um Logistikwege ins Visier zu nehmen, während die Raketen auf Kraftwerke kurzzeitig schwiegen.

Abu Dhabi wird zum Schicksalsort für Selenskyj und Putin
Während Trump im Weißen Haus die Schlagzeilen dominiert, treffen in Abu Dhabi die Unterhändler der kriegsführenden Parteien zur zweiten großen Verhandlungsrunde ein. Unter der Vermittlung von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und seinem Berater Jared Kushner soll dort ein 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges konkretisiert werden.
Die Herausforderung ist gewaltig: Wolodymyr Selenskyj pocht auf Sicherheitsgarantien und die Unversehrtheit des ukrainischen Territoriums, während Russland weiterhin auf der Kontrolle der besetzten Gebiete beharrt. Dass die Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, unterstreicht die neue Rolle der Region als Drehkreuz für die globale Machtpolitik der Trump-Administration.
NATO-Chef warnt vor russischem Blendwerk
Nicht alle teilen Trumps Optimismus. NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der erst am Dienstag vor der Werchowna Rada in Kiew sprach, warnte eindringlich davor, Putins temporäre Feuerpause als Zeichen echter Verhandlungsbereitschaft misszuverstehen. Die massiven Raketenangriffe unmittelbar nach Ende der Pause zeigten, dass Moskau weiterhin auf Zerstörung setze.
Doch Trump lässt sich nicht beirren. Für ihn ist der Verhandlungstisch in Abu Dhabi der einzige Weg, um zu verhindern, dass der Konflikt in einer „Sackgasse“ endet. Das Weiße Haus betont, dass man „sehr nah“ an einer Lösung sei – eine Behauptung, die in Kiew und Brüssel gleichermaßen mit Hoffnung und tiefer Skepsis aufgenommen wird.
Der Milliarden-Poker um die Zukunft Europas hat seine heißeste Phase erreicht. Trump will den Deal, Putin will die Anerkennung seiner Beute, und die Ukraine kämpft ums nackte Überleben.

