07. Januar, 2026

Unternehmen

Wie Vinted vom Sanierungsfall zum Milliarden-Champion wurde

Als Thomas Plantenga 2016 bei Vinted einstieg, stand die Plattform kurz vor dem Kollaps. Heute ist das Unternehmen Milliarden wert, wächst rasant – und bereitet sich strategisch auf den Börsengang vor.

Wie Vinted vom Sanierungsfall zum Milliarden-Champion wurde
Thomas Plantenga rettete Vinted vor dem Aus und formte Europas größten Secondhand-Marktplatz. Jetzt rückt sogar der Börsengang näher.

Vom Beinahe-Aus zum europäischen Marktführer

Als Thomas Plantenga nach Vilnius kam, war Vinted ein Sanierungsfall. Hohe Verkaufsgebühren, organisatorische Defizite und enttäuschte Nutzer hatten das Start-up an den Rand des Scheiterns gebracht. Was als kurzer Beratungseinsatz geplant war, wurde zu einer langfristigen Transformation.

Plantenga übernahm die operative Führung und setzte auf radikale Vereinfachung. Die 20-prozentige Verkaufsgebühr wurde abgeschafft, der Fokus stattdessen auf eine optionale Käuferschutzgebühr gelegt. Versandkosten sanken, der Kundenservice wurde neu organisiert, die Kostenbasis deutlich reduziert.

Harte Schnitte, klarer Kurs

Der Neustart war kein Selbstläufer. Mehr als ein Drittel der Belegschaft musste gehen, Prozesse wurden neu aufgesetzt, Marketing und Produktentwicklung neu ausgerichtet. Gleichzeitig erhielt Plantenga von den Investoren freie Hand – ein entscheidender Faktor für den Turnaround.

Besonders schwierig gestaltete sich der Neustart in Deutschland. Frühere Gebührenexperimente hatten das Vertrauen nachhaltig beschädigt. Erst nach Jahren gelang es, Nutzer zurückzugewinnen. Heute zählt Deutschland zu den am schnellsten wachsenden Märkten der Plattform.

Zahlen, die den Wandel belegen

Die operative Kehrtwende zeigt messbare Ergebnisse. 2024 erzielte Vinted einen Umsatz von 813 Millionen Euro, 2025 dürfte erstmals die Milliardenmarke überschritten werden. Der Gewinn lag zuletzt bei 76,7 Millionen Euro, während der über die Plattform abgewickelte Warenwert rund zehn Milliarden Euro erreichte.

Im Oktober 2024 bewerteten Investoren das Unternehmen mit rund fünf Milliarden Euro. Inzwischen wird über einen weiteren Secondary Sale diskutiert, der die Bewertung auf bis zu acht Milliarden Euro anheben könnte.

Vom Marktplatz zum Ökosystem

Vinted ist längst mehr als eine Secondhand-App. Mit Vinted Go baut das Unternehmen ein eigenes Logistiknetzwerk auf, Vinted Pay vereinfacht Zahlungsprozesse auf der Plattform. Einnahmen stammen heute nicht nur aus dem Marktplatzgeschäft, sondern auch aus Services, Versand und Zahlungsabwicklung.

Parallel investiert das Unternehmen massiv in Technologie. Entwickler, Data Scientists und Machine-Learning-Spezialisten prägen die Belegschaft. Das Sortiment wurde über Mode hinaus erweitert, bleibt aber klar im Secondhand-Segment verankert.

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IPO ist vorbereitet – aber nicht überstürzt

Plantenga führt Vinted bereits wie ein börsennotiertes Unternehmen. Finanzprozesse, Governance-Strukturen und regulatorische Anforderungen sind implementiert. Ein Börsengang gilt intern als technisch vorbereitet.

Der CEO wartet jedoch auf das richtige Umfeld. Entscheidend seien stabile Märkte und interne Ruhe. Klar ist nur: Ein IPO ist keine ferne Vision mehr, sondern eine realistische Option in absehbarer Zeit.

Bedeutung für Litauen und Europas Tech-Szene

Vinted ist heute das wertvollste Start-up Litauens und einer der größten Tech-Arbeitgeber des Landes. Das Unternehmen zahlt hohe Steuern, beteiligt Mitarbeitende an Wertsteigerungen und hat ein wachsendes Start-up-Ökosystem hervorgebracht.

Plantengas Ambitionen gehen weit über den aktuellen Erfolg hinaus. Langfristig will er Vinted in eine Liga führen, die bislang in Europa kaum besetzt ist – als global relevantes Techunternehmen mit zweistelliger Milliardenbewertung.

Fazit für InvestmentWeek

Vinted zeigt, wie konsequente operative Führung, klare Monetarisierung und Geduld aus einem Sanierungsfall einen europäischen Tech-Champion formen können. Für Investoren ist das Unternehmen ein Paradebeispiel dafür, dass Skalierung, Profitabilität und IPO-Fähigkeit auch außerhalb der USA möglich sind.

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