Die diesjährige Weihnachtszeit bringt eine seltene Koinzidenz mit sich: Erstmals seit 2005 fällt der Beginn von Hanukkah auf den 25. Dezember. Diese zeitliche Überschneidung wird sich erst wieder im Jahr 2035 ereignen. Während Christen Lichterketten um Bäume und Häuser drapieren, entzünden Juden Kerzen auf einem neunarmigen Leuchter, der Menora. Begleitet wird dies von festlichen Speisen, die bei Hanukkah oft frittierte Leckerbissen wie Kartoffelpuffer und mit Marmelade gefüllte Krapfen umfassen.
Ein interessanter Aspekt beider Festlichkeiten ist der Brauch des Geschenkeaustauschs, der bei Hanukkah erst seit jüngerer Zeit umstritten Einzug gehalten hat. In den USA besteht mittlerweile ein reger Markt für Hanukkah-Präsente, was sich in den Zehntausenden von Produkten widerspiegelt, die etwa auf Amazon angeboten werden. Diese Entwicklung ist das Resultat der Assimilation jüdischer Einwanderer, die im späten 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten strömten und infolgedessen amerikanische Weihnachtsgewohnheiten übernahmen.
Liturgisch betrachtet bleibt Hanukkah ein eher kleines Fest ohne das arbeitsfreie Gebot des Sabbats oder anderer hoher Feiertage. Es erinnert an das Wunder des Öls, das aus einem winzigen Krug acht Tage lang brannte, nachdem jüdische Kämpfer die griechischen Besatzer aus dem Tempel in Jerusalem vertrieben hatten.
Der Geschenkeaustausch war für Hanukkah lange Zeit unüblich, änderte sich aber im Zuge der Einwanderungswelle nach Amerika. Zwischen 1880 und 1924 wuchs die jüdische Bevölkerung in den USA von rund 250.000 auf 2 Millionen. Während sich jüdisch-deutsche Einwanderer schnell assimilierten und Weihnachten als amerikanischen Feiertag übernahmen, blieben neu ankommende Juden traditioneller. Die Kommerzialisierung von Weihnachtsfeierlichkeiten beeinflusste mit der Zeit auch Hanukkah, insbesondere nach dem Aufkommen von gedruckter Werbung und Produkten wie Crisco, das religiöse Speisevorschriften erleichterte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Hanukkah weiter zu einer marketinggetriebenen Feierlichkeit. In den USA ist Hanukkah heute die bekannteste jüdische Festlichkeit. Die öffentliche Sichtbarkeit bleibt wichtig; neue Unternehmen und große Einzelhändler bieten stets neue Hanukkah-Artikel an, die das Fest publikumswirksam untermalen.
International, insbesondere in Israel, ist der Geschenkeaustausch während Hanukkah weniger verbreitet. Online-Suchen nach Hannukah-Geschenken sind dort bemerkenswert geringer. Dennoch betonen religiöse Unterstützer die Wichtigkeit, die Wunder von Hanukkah öffentlich zu machen. Die Sichtbarkeit und die Integration von Hanukkah in die amerikanische Feierkultur verkörpern den großen Wandel, den jüdisch-amerikanische Gemeinschaften durchlebt haben. Die Akzeptanz und Anerkennung, die sie erfahren, gilt vielen als das größte Geschenk überhaupt.