Niemand hatte das auf dem Radar. Während in Berlin noch über die "sehr kritische" Lage debattiert wird, schaffen Fakten eine neue Realität.
Die deutsche Industrie meldet sich mit einer Wucht zurück, die selbst abgebrühte Ökonomen sprachlos macht. Die Rezession scheint abgesagt, doch der Motor dieses Aufschwungs birgt politischen Sprengstoff.

Die nackten Zahlen strafen sämtliche Pessimisten Lügen
Das Statistische Bundesamt liefert Daten, die wie ein Befreiungsschlag wirken. Im November verzeichneten die Industrieunternehmen ein Auftragsplus von saisonbereinigten 5,6 Prozent.
Noch drastischer fällt der Jahresvergleich aus: Gegenüber dem November 2024 liegen die Bestellungen satte 10,5 Prozent im Plus. Das ist nicht nur ein statistischer Ausreißer, sondern der dritte Anstieg in Folge und der stärkste Zuwachs seit Dezember 2024.
Die Analysten stehen vor einem Trümmerhaufen ihrer Prognosen. Eine Bloomberg-Umfrage hatte nach dem starken Oktober eigentlich einen Rückgang erwartet. Stattdessen sehen wir das Gegenteil.
Jens-Oliver Niklasch von der LBBW traut sich als einer der ersten aus der Deckung und spricht von einem "echten Zeichen für eine mögliche Trendwende".
Deutsche Panzer und staatliche Milliarden retten die Bilanz
Wer jedoch glaubt, die deutsche Weltmarktführerschaft im Maschinenbau sei organisch zurückgekehrt, muss genau hinsehen. Der Boom ist hausgemacht und politisch gewollt.
Besonders auffällig ist der Zuwachs bei den inländischen Großaufträgen. Diese stiegen um 6,5 Prozent und überholten damit die Auslandsnachfrage.

Der Sektor "Sonstiger Fahrzeugbau" – ein Euphemismus für Schiffe, Züge, Flugzeuge und vor allem Militärfahrzeuge – legte um zwölf Prozent zu. Bei Metallerzeugnissen gab es sogar ein Plus von 25 Prozent.
Sebastian Dullien vom IMK bringt es auf den Punkt: Die steigenden Staatsausgaben schlagen durch. Rüstung und Infrastruktur sind die neuen Konjunkturtreiber. Das ist kein marktgetriebenes Wachstum, sondern eine staatlich finanzierte Stütze.
Ein gefährlicher Trugschluss droht die Euphorie im Keim zu ersticken
Trotz der Champagnerlaune bei den Statistikergebnissen bleibt Vorsicht das Gebot der Stunde. Der Blick in die Zukunft ist weit weniger rosig als der Rückspiegel.
Das Ifo-Institut gießt Wasser in den Wein: Zum Jahreswechsel hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe bereits wieder verschlechtert.
Laut Ifo-Umfragen sanken die Neuaufträge im Dezember wieder, und viele Unternehmen planen sogar, ihre Produktion zu drosseln. Es droht ein Jo-Jo-Effekt, bei dem die Industrie zwischen Rüstungsboom und ziviler Rezession zerrieben wird.
Die Trendwende ist greifbar, aber sie erkauft sich ihre Existenz durch Steuergelder, nicht durch globale Wettbewerbsfähigkeit.
