11. Januar, 2026

Wirtschaft

Warum die Industrie plötzlich explodiert und alle Experten blamiert

Analysten rechneten mit dem Absturz, doch die Realität sieht anders aus. Die Auftragsbücher sind so voll wie lange nicht mehr – angetrieben von einem brisanten Sektor.

Warum die Industrie plötzlich explodiert und alle Experten blamiert
Deutsche Industrieaufträge steigen massiv um 10,5%. Experten sind schockiert. Liegt es nur an der Rüstung? Eine Analyse der Trendwende.

Niemand hatte das auf dem Radar. Während in Berlin noch über die "sehr kritische" Lage debattiert wird, schaffen Fakten eine neue Realität.

Die deutsche Industrie meldet sich mit einer Wucht zurück, die selbst abgebrühte Ökonomen sprachlos macht. Die Rezession scheint abgesagt, doch der Motor dieses Aufschwungs birgt politischen Sprengstoff.

Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im November 2025: +5,6 % zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im November 2025 gegenüber Oktober 2025 saison- und kalenderbereinigt um 5,6 % gestiegen. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang um 0,7 % höher als im Vormonat. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von September 2025 bis November 2025 um 4,0 % höher als in den drei Monaten zuvor, ohne Großaufträge stieg er im gleichen Zeitraum um 2,1 %. Im Oktober 2025 stieg der Auftragseingang nach Revision der vorläufigen Ergebnisse gegenüber September 2025 um 1,6 % (vorläufiger Wert +1,5 %).

Die nackten Zahlen strafen sämtliche Pessimisten Lügen

Das Statistische Bundesamt liefert Daten, die wie ein Befreiungsschlag wirken. Im November verzeichneten die Industrieunternehmen ein Auftragsplus von saisonbereinigten 5,6 Prozent.

Noch drastischer fällt der Jahresvergleich aus: Gegenüber dem November 2024 liegen die Bestellungen satte 10,5 Prozent im Plus. Das ist nicht nur ein statistischer Ausreißer, sondern der dritte Anstieg in Folge und der stärkste Zuwachs seit Dezember 2024.

Die Analysten stehen vor einem Trümmerhaufen ihrer Prognosen. Eine Bloomberg-Umfrage hatte nach dem starken Oktober eigentlich einen Rückgang erwartet. Stattdessen sehen wir das Gegenteil.

Jens-Oliver Niklasch von der LBBW traut sich als einer der ersten aus der Deckung und spricht von einem "echten Zeichen für eine mögliche Trendwende".

Deutsche Panzer und staatliche Milliarden retten die Bilanz

Wer jedoch glaubt, die deutsche Weltmarktführerschaft im Maschinenbau sei organisch zurückgekehrt, muss genau hinsehen. Der Boom ist hausgemacht und politisch gewollt.

Besonders auffällig ist der Zuwachs bei den inländischen Großaufträgen. Diese stiegen um 6,5 Prozent und überholten damit die Auslandsnachfrage.

China stoppt Export sensibler Güter nach Japan – Konflikt um Taiwan eskaliert
China verschärft den politischen Druck auf Japan: Peking verbietet mit sofortiger Wirkung den Export sogenannter Dual-Use-Güter. Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf Aussagen der japanischen Regierungschefin zum Taiwan-Konflikt.

Der Sektor "Sonstiger Fahrzeugbau" – ein Euphemismus für Schiffe, Züge, Flugzeuge und vor allem Militärfahrzeuge – legte um zwölf Prozent zu. Bei Metallerzeugnissen gab es sogar ein Plus von 25 Prozent.

Sebastian Dullien vom IMK bringt es auf den Punkt: Die steigenden Staatsausgaben schlagen durch. Rüstung und Infrastruktur sind die neuen Konjunkturtreiber. Das ist kein marktgetriebenes Wachstum, sondern eine staatlich finanzierte Stütze.

Ein gefährlicher Trugschluss droht die Euphorie im Keim zu ersticken

Trotz der Champagnerlaune bei den Statistikergebnissen bleibt Vorsicht das Gebot der Stunde. Der Blick in die Zukunft ist weit weniger rosig als der Rückspiegel.

Das Ifo-Institut gießt Wasser in den Wein: Zum Jahreswechsel hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe bereits wieder verschlechtert.

Laut Ifo-Umfragen sanken die Neuaufträge im Dezember wieder, und viele Unternehmen planen sogar, ihre Produktion zu drosseln. Es droht ein Jo-Jo-Effekt, bei dem die Industrie zwischen Rüstungsboom und ziviler Rezession zerrieben wird.

Die Trendwende ist greifbar, aber sie erkauft sich ihre Existenz durch Steuergelder, nicht durch globale Wettbewerbsfähigkeit.