Die rechtliche Grundlage der Autozölle bleibt vom Gerichtsurteil völlig unberührt
Riesen-Irrtum an den Märkten: Wer glaubt, der Supreme Court habe der deutschen Exportwirtschaft einen Gefallen getan, irrt gewaltig. Das Gericht in Washington kippte am Freitag lediglich Zölle auf Basis des „International Emergency Economic Powers Act“ (IEEPA). Das ist für die Automobilbranche irrelevant.
Das böse Erwachen folgt im Detail: Die für Daimler, BMW und VW toxischen Zölle fußen auf Section 232 des „Trade Expansion Act“ – begründet mit der nationalen Sicherheit. Diese spezifischen Sektorzölle standen gar nicht zur Debatte. Die Belastung für Importe aus der EU bleibt somit bestehen.

Fakt ist: Seit August liegt der Zollsatz bei 15 Prozent. Zuvor wurden zwischen April und Juli 2025 sogar ruinöse 27,5 Prozent fällig. Eine Entlastung ist nicht in Sicht.
Die operativen Margen der Hersteller bluten bereits jetzt massiv aus
Die Bilanzschäden sind verheerend und messbar. Allein Mercedes-Benz musste einen Gewinnrückgang (Ebit) von 57 Prozent auf nur noch 5,82 Milliarden Euro vermelden – eine direkte Folge der Zollmauer, die das Ergebnis um rund eine Milliarde Euro schmälerte.
Noch düsterer sieht es in Wolfsburg aus. Volkswagen kalkuliert für das vergangene Jahr mit bis zu fünf Milliarden Euro Zusatzbelastung durch die US-Zölle. Das strukturelle Problem: Die Premium-Cashcows Porsche und Audi verfügen über keine eigenen US-Werke.
Jeder importierte Porsche wird voll besteuert – das betrifft 26 Prozent des weltweiten Absatzes der Marke. Auch Audi verlor allein durch diese Abgaben 1,3 Milliarden Euro an Gewinn.
Donald Trump kündigt aggressive Vergeltungsschläge gegen das Urteil an
Statt eines Einlenkens droht nun die totale Eskalation. Der US-Präsident bezeichnete das Urteil als „Schande“ und plant bereits den Gegenschlag über alternative Rechtswege. Das Risiko für die Autobauer steigt, dass Trump die Sektorzölle nun sogar ausweitet, um Einnahmeverluste zu kompensieren.
Experten sehen darin eine konkrete Gefahr. Die Regierung wird versuchen, die protektionistische Agenda mit anderen juristischen Hebeln durchzusetzen.
Zwang zur US-Produktion wird für Konzerne zur Überlebensfrage
Der reine Export aus Europa wird zum unkalkulierbaren Risiko. Mercedes reagiert bereits und plant, die nächste Verbrenner-Version des GLC im US-Werk Tuscaloosa zu fertigen, um den Importzöllen zu entgehen.
BMW setzt in Spartanburg massiv auf Elektrifizierung und will bis Ende des Jahrzehnts sechs E-Modelle lokal fertigen. Für Hersteller ohne US-Basis wird die Luft dagegen dünn: VW-Chef Oliver Blume warnte bereits, dass Investitionen bei unveränderter Zoll-Last kaum finanzierbar seien.


