Der Jahresauftakt verstärkt den bestehenden Aufwärtstrend
Der Start ins Börsenjahr 2026 fällt für Aixtron bemerkenswert dynamisch aus. Innerhalb einer Woche legte die Aktie mehr als 17 Prozent zu und notiert aktuell bei rund 20 Euro. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch ist marginal, der Abstand zum Tief aus dem Frühjahr 2025 gewaltig.
Diese Bewegung ist keine spontane Überreaktion. Sie setzt einen Trend fort, der sich seit Herbst 2025 etabliert hat. Damals begann der Markt, das zyklische Tief im Halbleiteranlagenbau als überwunden zu betrachten.
Eine ASML-Studie sorgt für sektorweiten Rückenwind
Der jüngste Impuls kommt nicht aus Herzogenrath, sondern aus den Niederlanden. Eine positive Analystenstudie zu ASML hat den gesamten europäischen Technologiesektor erfasst. Bernstein Research stufte den Lithografie-Konzern auf Outperform hoch und erhöhte das Kursziel deutlich.
Aixtron profitiert von dieser Stimmungslage, weil Investoren wieder breiter in den Halbleiterzyklus investieren. Der Gedanke dahinter ist simpel: Wenn sich die Nachfrage bei den Marktführern stabilisiert, kommt die Erholung zeitversetzt auch bei spezialisierten Zulieferern an.

KI-Rechenzentren verändern die Nachfrage nach Leistungselektronik
Der fundamentalere Treiber liegt jedoch tiefer. Der Ausbau von KI-Rechenzentren verändert die Anforderungen an die Energieversorgung. Klassische Siliziumchips stoßen an Effizienzgrenzen, wenn Rechenzentren massiv skalieren.
Hier gewinnen Halbleiter auf Basis von Galliumnitrid und Siliziumkarbid an Bedeutung. Sie ermöglichen geringere Verluste und höhere Leistungsdichten. Genau in diesem Bereich liefert Aixtron die notwendigen Produktionsanlagen. Die Fantasie am Markt speist sich aus der Annahme, dass dieser Technologiewechsel nicht nur zyklisch, sondern strukturell ist.
Der Markt preist Wachstum ein, das erst später sichtbar wird
Bereits im Herbst hatten Analysten der Bank of America auf ein mögliches Nachfragehoch bei GaN- und SiC-Chips ab 2027 hingewiesen. Die aktuelle Kursentwicklung deutet darauf hin, dass Investoren dieses Szenario vorziehen.
Das erklärt auch, warum die Aktie inzwischen deutlich über dem durchschnittlichen Analystenkursziel von rund 16 Euro notiert. Der Markt bewertet weniger das laufende Geschäft als die potenzielle Rolle von Aixtron in einer neuen Energiearchitektur für KI-Infrastruktur.
Das Chartbild bestätigt den Stimmungsumschwung
Technisch zeigt sich ein klarer Trend. Der Kurs hat sich weit von der 200-Tage-Linie entfernt und bewegt sich stabil oberhalb langfristiger Durchschnittswerte. Seit dem Tief im April 2025 hat sich die Aktie mehr als verdoppelt.
Gleichzeitig bleibt die Volatilität hoch. Mit einer annualisierten Schwankungsbreite von über 90 Prozent ist Aixtron kein defensiver Titel. Die Rally verläuft dynamisch, aber nicht geradlinig. Rücksetzer gehören weiterhin zum Szenario.
Der Geschäftsbericht wird zur Nagelprobe
Ob die operative Entwicklung die Kursfantasie rechtfertigt, entscheidet sich Ende Februar. Am 26. Februar 2026 legt Aixtron seine Jahreszahlen vor. Entscheidend wird weniger der Rückblick sein als der Ausblick auf den Auftragseingang in der Leistungselektronik.
Der Markt erwartet Hinweise darauf, ob sich das Interesse aus dem Umfeld der KI-Rechenzentren bereits in konkreten Bestellungen niederschlägt. Bleiben diese aus, dürfte die hohe Bewertung auf den Prüfstand kommen.
Zwischen Neubewertung und Übertreibung
Die Rally der Aixtron-Aktie speist sich aus einer Mischung aus Zykluserholung und struktureller Hoffnung. Beides kann tragen, beides kann enttäuschen. Kurzfristig dominiert die Euphorie, langfristig entscheidet die Fähigkeit, die KI-Fantasie in Aufträge zu übersetzen.
Der Kurs signalisiert Vertrauen. Die Zahlen müssen es bestätigen.


