Die Produktion in Dietenhofen endet abrupt nach monatelangen Dementis
Was als hartnäckiges Gerücht die Runde machte, ist nun bittere Realität: Playmobil stellt die Produktion in Deutschland ein. Das Werk im fränkischen Dietenhofen, ein Herzstück der Fertigung, wird bereits Ende Juni 2026 geschlossen. Für die 350 dort beschäftigten Mitarbeiter bedeutet dies das Aus. Die Fertigung samt Anlagen soll in den kommenden Monaten verlagert werden, primär nach Malta, wo der Konzern bereits seit Jahrzehnten produziert.

Das Management begründet diesen drastischen Schritt mit einer Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Gestiegene Produktionskosten am Standort Deutschland hätten die Wettbewerbsfähigkeit massiv beeinträchtigt. Nur durch die Verlagerung ließe sich die wirtschaftliche Stabilität sichern.
Die Kommunikation seitens der Unternehmensführung stößt jedoch auf heftige Kritik. Sowohl die Belegschaft als auch lokale Politiker wurden offenbar bis zur letzten Minute im Unklaren gelassen. Dietenhofens Bürgermeister Rainer Erdel zeigte sich von der Nachricht völlig überrumpelt.
„Das war eine sehr knappe Darstellung.“
So kommentierte Rainer Erdel, Bürgermeister von Dietenhofen, die Informationspolitik der Firmenleitung gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.
Massive operative Verluste fressen die einstigen Barreserven rasend schnell auf
Die finanzielle Lage der Horst Brandstätter Group ist dramatischer als bisher angenommen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche verzeichnete das Unternehmen im Geschäftsjahr 2024/25 einen Verlust von 100 Millionen Euro. Die einst üppigen Rücklagen, die der 2015 verstorbene Patriarch Horst Brandstätter hinterlassen hatte, schmelzen dahin.
Besonders alarmierend ist die Entkopplung vom allgemeinen Markttrend. Während der deutsche Spielwarenmarkt im Jahr 2025 laut dem Marktforschungsunternehmen Circana um drei Prozent wuchs, brach der Umsatz von Playmobil hierzulande um weitere acht Prozent auf rund 104 Millionen Euro ein. Über die letzten Jahre hat der Konzern mehr als ein Drittel seines Umsatzes eingebüßt.
Führungsvakuum und Stiftungsstruktur lähmen die strategische Ausrichtung
Die Krise ist nicht nur operativer, sondern auch struktureller Natur. Seit dem Tod des Gründers wird das Unternehmen von einer komplexen Stiftungsstruktur kontrolliert, an deren Spitze Marianne Albert, die ehemalige Sekretärin Brandstätters, steht. Kritiker, darunter Brandstätters Sohn Conny, sehen in dieser Konstellation den Ursprung der Misere.
Auch die Position von CEO Bahri Kurter wackelt. Sein Vertrag läuft aus, und eine Verlängerung ist ungewiss. Kurter hatte noch Ende Januar auf der Spielwarenmesse in Nürnberg von einer „Trendumkehr“ gesprochen und auf Partnerschaften mit dem DFB oder Barbie verwiesen. Angesichts der Werksschließung und der Bilanzzahlen wirken diese Aussagen nun wie reine Durchhalteparolen.
Die Gewerkschaft IGBCE reagierte mit scharfer Rhetorik auf die Schließungspläne und sieht das Missmanagement der Führungsebene als eigentliche Ursache für den Niedergang.
Dies erklärte Maximilian Krippner, Gewerkschaftssekretär der IGBCE, und bezeichnete das Vorgehen als „eine Riesensauerei“.


