David Ellisons Versuch, die Fusion zwischen Warner Bros Discovery und Netflix juristisch im Eilverfahren zu torpedieren, ist am Donnerstag vorerst gescheitert.
Richterin Morgan Zurn vom Delaware Chancery Court wies den Antrag von Paramount Skydance zurück, das Verfahren zu beschleunigen. Paramount wollte Warner Bros dazu zwingen, sofort offenzulegen, warum das Board ein niedrigeres Angebot von Netflix der eigenen, deutlich höheren Offerte vorzieht.
Die Entscheidung ist ein taktischer Rückschlag für Paramount, beendet aber keinesfalls den Übernahmekrieg. Im Gegenteil: Die Begründung der Richterin liefert Munition für die nächste Phase der Auseinandersetzung.

Warner Bros lehnt 26 Milliarden Dollar Mehrwert ohne sofortige Erklärung ab
Die nackten Zahlen dieses Deals spotten jeder rationalen Marktlogik. Paramount hat ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 108,7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt – und zwar komplett in bar.
Demgegenüber steht das vom Warner-Management favorisierte Angebot von Netflix, das sich auf lediglich 82,7 Milliarden Dollar beläuft und eine Kombination aus Bargeld und Aktien darstellt. Die Differenz beträgt 26 Milliarden Dollar.
Dass ein Vorstand ein um 30 Prozent höheres Barangebot zugunsten eines niedrigeren Konkurrenzangebots ausschlägt, erfordert massive Erklärungen. Paramount wirft Warner Bros vor, Informationen über das Kabelfernsehgeschäft zurückzuhalten, welches nicht Teil des Netflix-Deals ist.
Richterin Zurn argumentierte zwar, Paramount habe keinen „erkennbaren irreparablen Schaden“ nachgewiesen, doch sie merkte an, dass das erfolglose Barangebot die Tür für Fragen zur Netflix-Transaktion „weiter öffnet“.
Das Management spielt auf Zeit und verhöhnt den gegnerischen Bieter
Die Reaktion aus der Warner-Zentrale zeugt von einer bemerkenswerten Arroganz gegenüber den eigenen Anteilseignern. In einer Stellungnahme bezeichnete Warner Bros die Klage als „einen weiteren unseriösen Versuch der Ablenkung“.
Ryan McLeod, der Anwalt von Warner Bros, nutzte vor Gericht eine Metapher aus der Filmindustrie: „Dieser Film wird noch gedreht, und es macht keinen Sinn, dass das Gericht das Set schließt.“
Warner Bros argumentiert, man werde die Finanzdaten offenlegen, sobald die Zustimmung der Aktionäre für die Netflix-Übernahme eingeholt werde. Dies ist eine klassische Verzögerungstaktik.
Das Ziel ist offensichtlich: Fakten schaffen, bevor die Aktionäre realisieren, dass ihnen 30 Dollar pro Aktie in bar durch die Lappen gehen könnten.

Paramount verlagert das Schlachtfeld nun direkt in den Aufsichtsrat
Da der juristische Blitzkrieg gescheitert ist, greift Paramount nun zur nächsten Eskalationsstufe im Corporate Raiders Playbook. Das Unternehmen kündigte an, eigene Direktoren für das Board von Warner Bros zu nominieren.
Ziel dieser Maßnahme ist es, das bestehende Gremium zu Verhandlungen zu zwingen. Michael Barlow, Anwalt von Paramount, brachte es auf den Punkt: Das Warner-Board tue so, als existiere das Barangebot gar nicht.
Zusätzlich plant Paramount eine Änderung der Satzung von Warner Bros. Eine Abspaltung des Kabelgeschäfts – etwa CNN oder Food Network – soll künftig zwingend die Zustimmung der Aktionäre erfordern.
Dies ist ein direkter Angriff auf die Struktur des Netflix-Deals, der das klassische TV-Geschäft offenbar ausklammert oder gesondert behandelt.
Die Aktionäre werden zu Geiseln eines langwierigen Machtkampfes gemacht
Das ursprüngliche Übernahmeangebot von Paramount läuft am 21. Januar aus. Nach dem Urteil ist eine Verlängerung der Frist unvermeidlich.
Warner-Anwalt McLeod deutete bereits an, dass sich der Prozess „bis weit ins nächste Jahr“ ziehen könnte, da regulatorische Genehmigungen 12 bis 18 Monate dauern würden.
Für die Aktionäre bedeutet dies eine Phase extremer Unsicherheit. Sie müssen entscheiden, ob sie dem „Value-Maximizing“-Versprechen des Managements glauben, das paradoxerweise das niedrigere Angebot bevorzugt, oder ob sie auf das Bargeld von Paramount drängen.
Warner Bros behauptet, die Auktion sei letztes Jahr beendet gewesen und Paramount habe verloren. Angesichts der 108,7 Milliarden Dollar, die nun im Raum stehen, wirkt diese Aussage wie Realitätsverweigerung.

