In Tschechien, wo Karpfen traditionell als fester Bestandteil der weihnachtlichen Festlichkeiten gelten, steht der Verkauf lebender Exemplare zunehmend im Fokus der Kritik. Die britische Supermarktkette Tesco hat dieses Jahr erstmals beschlossen, die Aufstellung von Verkaufsständen vor ihren Filialen zu untersagen. Diese Entscheidung erfolgt aus tierethischen Gründen, um das Wohl der Tiere zu schützen. Zuvor hatten bereits Lidl und die Rewe-Tochter Billa vergleichbare Maßnahmen ergriffen.
Der Brauch des lebenden Karpfens an Heiligabend hat in Tschechien eine lange Tradition. Bis heute ist es weitverbreitet, die Fische lebend von Fischteichen zu den Verkaufsstellen zu transportieren und sie erst bei Kauf zu schlachten. Einstmals wurden die Karpfen sogar lebend in Plastiktüten mit nach Hause genommen, um in der heimischen Badewanne bis zur Festtagszubereitung zu verweilen – eine Praxis, die aus der sozialistischen Ära stammt, als Kühlschränke Mangelware waren.
Tierschützer kritisieren seit Langem die Haltungsbedingungen der Fische an den Ständen und argumentieren, dass die Tiere unter Stress leiden und unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden. Mit Initiativen wie "Ein Weihnachten ohne Gewalt" versuchen sie, auf die Problematik aufmerksam zu machen. Zudem hat die Prager Stadtverwaltung eine Informationskampagne gestartet, die aufklärt, warum Karpfen nicht ins chlorierte Leitungswasser oder Fließgewässer wie die Moldau entlassen werden sollten – die Tiere überleben in der Regel diese unnatürliche Umgebung nicht.