11. Februar, 2026

Global

Vertrauensbruch im Bündnis: USA werden für Deutsche zum Sicherheitsrisiko

Laut dem neuen Sicherheitsreport 2026 halten zwei Drittel der Deutschen die USA für eine Gefahr für den Weltfrieden. Das Vertrauen in den Nato-Beistand erodiert rasant, während die Angst vor einer direkten Kriegsbeteiligung Deutschlands wächst.

Vertrauensbruch im Bündnis: USA werden für Deutsche zum Sicherheitsrisiko
Steht die Nato vor dem Aus? Warum immer weniger Deutsche an den Beistand der USA glauben und die Angst vor einer Kriegsbeteiligung steigt.

Das Fundament der deutschen Sicherheitspolitik bekommt Risse, die kaum noch zu kitten scheinen. Die Ergebnisse des aktuellen Sicherheitsreports 2026, erstellt vom Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung, zeichnen das Bild einer tief verunsicherten Nation. Besonders schockierend: Der Blick auf den engsten Verbündeten hat sich ins Negative verkehrt. Mittlerweile sehen 65 Prozent der Deutschen in den USA eine Bedrohung für den Weltfrieden – ein massiver Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren (2024: 24 %).

Zwar bleibt Russland mit 81 Prozent die unangefochtene Nummer eins der wahrgenommenen Bedrohungen, doch die USA rücken unter der Präsidentschaft von Donald Trump und Vizepräsident J.D. Vance in eine neue, kritische Rolle. Die jüngsten Drohungen Washingtons bezüglich einer Annexion Grönlands und die unverblümte Rhetorik gegenüber europäischen Nato-Partnern haben Spuren hinterlassen.

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Nato-Beistand in der Krise: Mehrheit zweifelt an amerikanischer Hilfe

Die einstige Gewissheit, dass die USA im Ernstfall für Europa in den Krieg ziehen würden, ist Geschichte. Nur noch magere 32 Prozent der Bundesbürger glauben fest daran, dass Washington militärische Hilfe leisten würde, sollte ein europäischer Nato-Staat angegriffen werden. Demgegenüber steht ein Drittel (35 %), das den Beistand offen bezweifelt, während der Rest unentschieden bleibt.

Dieses Misstrauen speist sich aus der aggressiven „America First“-Politik und der Wahrnehmung, dass die USA unter Trump Europa zunehmend als ökonomischen Gegner statt als Partner betrachten. Die Sorge vor einer militärischen Alleingelassenheit wächst synchron zum Misstrauen gegenüber der transatlantischen Zuverlässigkeit.

Veröffentlichung des Munich Security Reports 2026

Angst vor dem Ernstfall: Ein Drittel der Deutschen fürchtet Kriegsbeteiligung

Die Bedrohung ist für die Menschen im Land keine abstrakte Größe mehr. Rund 31 Prozent der Befragten halten es für „sehr“ oder „eher wahrscheinlich“, dass Deutschland in den kommenden Jahren direkt in einen kriegerischen Konflikt verwickelt wird. Besonders der andauernde Ukraine-Krieg und die Spannungen im Nordatlantik sorgen für ein konstant hohes Bedrohungsgefühl.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus bei der inneren Sicherheit. Das Schreckgespenst des Terrors verliert an Schrecken: Fühlten sich vor einem Jahr noch 42 Prozent persönlich durch Anschläge bedroht, sind es aktuell nur noch 33 Prozent. Die Angst vor äußeren militärischen Schocks hat die Furcht vor dem Terror im Inneren verdrängt.

Vertrauensbeweis für Dobrindt: Innere Sicherheit wird zum Profilthema

Trotz der globalen Unsicherheiten erfährt die aktuelle Bundeskanzler-Merz-Regierung in einem Punkt Zuspruch: 36 Prozent der Deutschen bescheinigen der Regierung unter Beteiligung von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), dass die innere Sicherheit einen höheren Stellenwert genießt als unter der Vorgänger-Ampel.

Dobrindt setzt dabei auf eine Politik der harten Hand und den massiven Ausbau der Drohnenabwehr sowie des Zivilschutzes. Kritiker aus dem grün-linken Lager werfen ihm zwar eine zu starke Fokussierung auf Migration vor, doch bei einem Drittel der Bevölkerung verfängt sein Versprechen von „Stärke, Schutz und Schlagkraft“.

Deutschland am Scheideweg der Sicherheit

Der Sicherheitsreport 2026 ist ein Weckruf. Deutschland steht vor der Herausforderung, seine Verteidigungsfähigkeit unabhängig von der „Wundertüte“ Washington neu zu definieren. In einer Welt, in der der Partner als Risiko wahrgenommen wird, bleibt der Ruf nach europäischer Souveränität nicht mehr nur ein politisches Schlagwort – er wird zur nackten Überlebensnotwendigkeit.

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