Der Europäische Rechnungshof hat kürzlich einen Sonderbericht veröffentlicht, der auf ernüchternde Ergebnisse zur Fortschrittssituation des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsverkehrsnetzes (TEN-V) hinweist. Dieser umfangreiche Bericht beleuchtet die vielfältigen Herausforderungen, denen dieses bedeutende transnationale Verkehrsprojekt gegenübersteht. Entgegen den ursprünglichen Zeitplänen wird die Fertigstellung des Projekts voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2030 erreicht werden.
Die in dem Bericht enthaltenen Analysen beziehen sich auf zentrale Großprojekte wie den Fehmarnbelt-Tunnel, der eine direkte Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark schaffen soll, sowie den Brenner-Basistunnel, der als maßgebliches Infrastrukturprojekt den Nord-Süd-Verkehr zwischen Österreich und Italien entlasten soll. Beide Projekte sind von erheblichen Verzögerungen betroffen, die eine termingerechte Fertigstellung gefährden.
Die Gründe für diese Verzögerungen sind vielfältig und komplex. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Bauarbeiten signifikant behindert, während geopolitische Spannungen, vor allem der anhaltende Konflikt in der Ukraine, zusätzliche Unsicherheiten und Kostensteigerungen verursacht haben. Besonders deutlich zeigen sich die finanziellen Herausforderungen bei Projekten wie Rail Baltica und der Bahnverbindung Lyon-Turin, deren Kosten um 291 Prozent beziehungsweise 127 Prozent über den ursprünglich veranschlagten Beträgen liegen.
Ein herausragendes Beispiel für die anhaltenden Schwierigkeiten ist der Brenner-Basistunnel. Dieses Schlüsselprojekt zur Verbesserung der Verkehrsabwicklung über die Alpen sollte ursprünglich viel früher in Betrieb genommen werden, wird jedoch laut Bericht voraussichtlich nicht vor 2032 eröffnet — das sind ganze 16 Jahre später als geplant. Gleiches gilt für die Fehmarnbelt-Querung, die von erheblichen finanziellen und zeitlichen Überschreitungen betroffen ist, mit einer Fertigstellung nicht vor 2031. Die drastische Erhöhung der Kosten unterstreicht die Dringlichkeit einer verstärkten Koordination zwischen nationalen und EU-Verkehrsstrategien, um derartige Verzögerungen in der Zukunft zu verhindern.
Insgesamt verdeutlicht der Bericht des Europäischen Rechnungshofs die dringende Notwendigkeit, organisatorische und planerische Prozesse zu überdenken, um die Effizienz und Wirtschaftlichkeit künftiger Infrastrukturprojekte zu steigern. Eine Harmonisierung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten und der EU ist essenziell, um den ambitionierten Zielen des TEN-V-Programms gerecht zu werden und die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des europäischen Verkehrsnetzes langfristig zu sichern.