27. April, 2026

Wirtschaft

Verborgene Treffen und Misstrauen: Der Fall Credit Suisse beleuchtet Schweizer Finanzturbulenzen

Verborgene Treffen und Misstrauen: Der Fall Credit Suisse beleuchtet Schweizer Finanzturbulenzen

Eine aktuelle parlamentarische Untersuchung hat enthüllt, wie die Kultur der Geheimhaltung und das Misstrauen unter Beamten die Schweiz im Vorfeld des Zusammenbruchs von Credit Suisse im Jahr 2023 erheblich behinderten. Nur knapp zwei Jahre nach dem Bankrott der zweitgrößten Bank des Landes veröffentlichten die Schweizer Gesetzgeber am Freitag einen über 560 Seiten langen Bericht, der die Verwirrung und fehlende Transparenz auf Regierungsebene detailliert beschrieb. Der Niedergang von Credit Suisse hat definitiv das Ansehen der Schweiz als Finanzwelt-Metropole untergraben und die Illusion entlarvt, dass globale Banken heute sicherer sind oder Regierungen über fertige Pläne zur Krisenbewältigung verfügen. Die Untersuchung gewährte einen seltenen Einblick in das diskrete Klima, das den Ruf der Schweiz als vertrauenswürdigen Ort zur Verwaltung offshore Vermögenswerte begründet. Genau diese Diskretion, so der Bericht, hatte in die Regierung übergegriffen und für Verwirrung gesorgt. Während der monatelangen Untersuchung stellten die Gesetzgeber sogenannte "Nicht-Treffen" zwischen Beamten fest, die vor dem Zusammenbruch der Bank stattfanden. Diese informellen Begegnungen wurden nicht dokumentiert, um Lecks zu vermeiden, was dazu führte, dass wichtige Regierungsmitglieder im Unklaren gelassen wurden. Dies erschwerte die Vorbereitung für die anschließende staatliche Rettung und den Verkauf der Bank an den größeren Rivalen UBS erheblich. Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, wurde als Befürworter dieser "Nicht-Treffen" identifiziert, während er bemüht war, eine finanzielle Katastrophe abzuwenden und die Fusion von Credit Suisse mit UBS voranzutreiben. Auch der damalige Finanzminister, Ueli Maurer, zog es vor, in informellen Gesprächen ohne schriftliche Aufzeichnung zu agieren. Dieses Vorgehen führte oftmals dazu, dass Schweizer Regierungsbeamte ohne die benötigten Dokumente dastanden, die die Probleme der Bank oder mögliche Lösungen skizzieren könnten. Diese Praxis löste damals Beschwerden und Konflikte innerhalb der Regierung aus. Ein besonders hervorstechendes Beispiel im Bericht beschreibt, wie der Schweizer Präsident und der Kanzler, ein hochrangiger Beamter, Anfang November 2022 miteinander sprachen, als die Bank von einer Krise erfasst wurde. Die notwendigen Unterlagen hatten sie nicht erhalten, da das Finanzministerium einen Leak befürchtete. Wenige Tage später berief Maurer eine Kabinettssitzung ein, um die Schwierigkeiten der Bank zu erörtern, was bei Schweizer Beamten die Forderung nach schriftlichen Informationen über ein mögliches Kriseninterventionsszenario hervorrief.