Der Batteriehersteller Varta schließt sein Werk in Nördlingen zum Ende Oktober. Grund ist der vollständige Ausstieg von Apple als Großkunde. 350 Mitarbeiter sind betroffen. Varta-Chef Michael Ostermann informierte die Belegschaft am Montagmorgen über das Ende der Produktion von Ohrhörer-Batterien am Standort. Die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb entfalle mit dem Wegfall des „Ankerkunden" – gemeint ist Apple, auch wenn Ostermann den Namen nicht explizit nannte.
Vom Hoffnungswert zum Sanierungsfall in wenigen Jahren
Noch vor wenigen Jahren galt Varta als deutscher Technologie-Champion. Die Ellwanger entwickelten leistungsstarke Batterien für Hörgeräte und anschließend die beste Batterie für kabellose Ohrhörer. Apple bestückte seine AirPods ausschließlich mit Varta-Produkten. Umsatz, Gewinn und Aktienkurs schossen in die Höhe. Der Hype wirkte unaufhaltsam.

Doch die Verträge mit Apple sahen sinkende Stückpreise vor. Zudem war absehbar, dass der Konzern aus Cupertino sich nicht dauerhaft von einem einzigen Lieferanten abhängig machen würde. Vartas technologischer Vorsprung war endlich. Der damalige Vorstand ignorierte diese Warnzeichen weitgehend. Stattdessen flossen fast 500 Millionen Euro in den Produktionsausbau für Apple-Aufträge. Das Unternehmen lud sich hohe Schulden auf und lehnte andere Kunden ab. Die Abhängigkeit von Apple wurde zum Verhängnis.
Apple diversifiziert, Varta stürzt ab
2022 begann Apple, neben Varta auch Batterien des südkoreanischen Konkurrenten Samsung SDI zu beziehen. Andere Varta-Produkte wie Energiespeicher oder die Autobatterie V4Drive floppten beim Kunden. Varta geriet in Existenznot. 2024 folgte eine Sanierung nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG), um die Insolvenz abzuwenden. Es kam zum Schuldenschnitt, das Kapital der Aktionäre wurde auf Null gesetzt – faktisch eine Enteignung.
Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Lage: Apple reduzierte die Bestellungen erneut und ließ Varta bei einer neuen Produktlinie außen vor. Nun folgt der endgültige Bruch. Die Gründe sind offiziell nicht bekannt. Vermutlich spielen Preise eine Rolle: Zwei chinesische Hersteller können inzwischen dieselbe Qualität wie Varta liefern, sind aber günstiger. Apple kauft dort.
80 Millionen Zellen für Apple – jetzt ist Schluss
Varta lieferte zuletzt 80 Millionen Zellen pro Jahr an Apple, was rund 98 Prozent der Produktionskapazität in Nördlingen entsprach. Einen anderen Großkunden gibt es in diesem Segment nicht. Die Schließung des Werks sei unausweichlich, erklärte Ostermann. Zwar habe man neue Kunden gewonnen, „doch damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten", so der Chef. Die Kapazitäten am Standort Ellwangen reichten aus, um die Nachfrage der neuen Kunden zu bedienen. Dort können rund acht Millionen Zellen im Jahr hergestellt werden.

Varta prüfte, ob das Werk in Nördlingen anderweitig genutzt werden könne. „Aufgrund des hohen Spezialisierungsgrads ist das kurzfristig nicht möglich", sagte Ostermann. Man plane, das Werk abzuwickeln, ohne es in die Insolvenz zu schicken. Dafür brauche man die Zustimmung der Gläubiger und einen zweistelligen Millionenbetrag. Der ursprüngliche Restrukturierungsplan müsse angepasst werden.
Varta lebt weiter – aber deutlich geschrumpft
Die kleinen Lithium-Ionen-Zellen waren ein wichtiger Umsatzbringer, warfen zuletzt aber kaum noch Gewinn ab. Ein ungünstiger Wechselkurs belastete: Apple zahlt in Dollar. Neben den Ohrhörer-Zellen produziert Varta noch Haushaltsbatterien – das Geschäft läuft stabil. Der Verkauf von Batteriespeichern entwickelt sich positiv, aber nicht planmäßig. Zudem ist Varta an einer Gesellschaft beteiligt, die zusammen mit Porsche Batterien für Sportwagen herstellt.
Die Werkschließung wird sich auf die anderen Geschäftsbereiche nicht auswirken, wohl aber auf den Standort Ellwangen. Auch in der Verwaltung werden voraussichtlich weniger Mitarbeiter gebraucht, wenn das wichtigste Geschäftsfeld mehr oder weniger komplett eingestellt wird. Vartas deutsche Erfolgsgeschichte endet im kontrollierten Rückbau.