Die US-amerikanische Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) hat rechtliche Schritte gegen JPMorgan Chase, Bank of America und Wells Fargo eingeleitet. Der Vorwurf: Die Banken hätten es versäumt, Kunden vor Betrug auf der Zahlungsplattform Zelle zu schützen. CFPB-Direktor Rohit Chopra kritisierte die drei Finanzinstitute, die zur Gruppe der sieben Banken gehören, die das Zelle-Betreiberunternehmen Early Warning beherrschen. Der Druck durch Konkurrenzplattformen wie Venmo und Cash App habe die Banken dazu verleitet, die Plattform überstürzt online zu bringen. Auch der Betreiber von Zelle wird in der Klage als Beklagter genannt.
Die Klage weitet die politische Diskussion darüber aus, ob Banken stärker haftbar gemacht werden sollten, wenn Verbraucher auf Zahlungsplattformen betrogen werden. Laut CFPB sei es Betrügern aufgrund unzureichender Identitätsprüfung möglich gewesen, zwischen den Banken zu wechseln, während Warnsignale ignoriert und die Kunden im Stich gelassen wurden. Dies habe zu Verlusten von mehr als 870 Millionen US-Dollar bei Kunden der drei größten US-Banken nach Einlagen geführt. Über 900.000 Betrugsvorwürfe seien eingegangen.
JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo äußerten sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen. Zelle erklärte die Vorwürfe als "rechtlich und faktisch fehlerhaft" und bezeichnete die Klage als "unbegründet". Sie seien bereit, sich zu verteidigen, um die Qualität ihrer Dienste zu sichern.
Die Zukunft der Klage durch die CFPB erscheint ungewiss, insbesondere da die Behörde unter neuer Führung stehen könnte, wenn Donald Trump wieder ins Weiße Haus einzieht. Er hat angekündigt, Regularien in verschiedenen Sektoren zu lockern. Zelle äußerte, dass der Zeitpunkt der Klage politisch motiviert scheine.
Zelle startete 2017 als Peer-to-Peer-Zahlungssystem für Sofortüberweisungen. Die Schnelligkeit der Transaktionen hat jedoch Betrugsversuche begünstigt, bei denen Kriminelle Kunden dazu bringen, Geld zu senden. Anders als bei umstrittenen Debit- und Kreditkartenzahlungen sind die Erstattungsregeln für Transaktionen von Konto zu Konto in den USA weniger klar definiert.
Ein Präzedenzfall wurde dieses Jahr in Großbritannien geschaffen, wo Banken verpflichtet wurden, Opfer solcher Betrugsmaschen bis zu 85.000 Pfund zu entschädigen.
Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, argumentierte im Oktober, es sei nicht sinnvoll, ein System einzuführen, bei dem jede wissentlich gesendete Zahlungsanweisung in der Verantwortung der Bank liege.