22. Januar, 2026

Politik

US-Rückzug aus der WHO tritt in Kraft: Eine Entscheidung ohne Gewinner

Vor einem Jahr hat der damalige US-Präsident Donald Trump den Austritt der Vereinigten Staaten aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angekündigt. Dieser Entschluss wird nun offiziell umgesetzt, obwohl eine vertraglich vorgesehene Bedingung nicht erfüllt wurde: Die USA haben ihre finanziellen Verpflichtungen gegenüber der WHO nicht eingehalten. In der Theorie hätte dies als Hinderungsgrund für den Austritt dienen können. Allerdings fehlt der WHO die Möglichkeit, diesen Austritt zu verhindern oder gegen ihn vorzugehen.

Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich in Genf mit Bedauern über den Verlust der US-amerikanischen Mitgliedschaft. "Der Austritt ist ein Rückschlag sowohl für die Vereinigten Staaten als auch global", unterstrich er. Die USA werden nicht länger an zentralen Programmen teilnehmen, darunter die Frühwarnsysteme für neue Krankheitsausbrüche und die Entwicklung von Grippe-Impfstoffen für die kommende Saison. Das Fehlen der US-amerikanischen Expertise könnte weitreichende Auswirkungen auf globaler Ebene haben.

Donald Trump hatte den Austritt mit Vorwürfen begründet, die WHO habe während der Corona-Pandemie versagt und zeige mangelnde Reformbereitschaft. Er kritisierte zudem eine vermeintliche politische Einflussnahme seitens Chinas und beschuldigte die WHO, korrupt zu sein. Interessanterweise hat auch Argentinien kürzlich seinen Austritt erklärt, was die mögliche Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen innerhalb der Organisation unterstreicht.

Seit Trumps Amtsübernahme wurden keine Zahlungen der ausstehenden Beiträge für 2024 und 2025 geleistet, was einer Summe von rund 240 Millionen Euro entspricht. Eine Anfrage an das US-Außenministerium ergab keine weiteren Stellungnahmen, außer der Erklärung an die National Public Radio (NPR), dass keine weiteren Zahlungen beabsichtigt seien. Die Belastungen durch die Corona-Pandemie seien bereits sehr hoch, so die Argumentation der USA.

In der Vergangenheit waren die USA der größte finanzielle Unterstützer der WHO. Ihre Beiträge deckten regelmäßig mehr als 15 Prozent des Budgets der Organisation ab und gingen weit über das normale Maß hinaus. Diese finanzielle Lücke durch den Austritt der USA zwingt die WHO nun zu drastischen Sparmaßnahmen. Dazu gehört eine Reduzierung der Mitarbeiteranzahl um 20 Prozent bis zur Jahresmitte. Trotz dieser Sparzwänge betonte Tedros, dass das Thema nicht lediglich eine finanzielle Angelegenheit sei. Er unterstrich: "Es geht um Kooperation und Solidarität." Die finanziellen und politischen Herausforderungen zeigen die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit in Gesundheitsfragen und die Bedeutung einer gestärkten globalen Gesundheitsarchitektur.