Der Januar-Boom basiert auf einem statistischen Sondereffekt bei Saisonkräften
Auf den ersten Blick liefern die USA eine wirtschaftliche Sensation: Der US-Arbeitsmarkt hat sich zu Jahresbeginn scheinbar explosionsartig belebt. Im Januar wurden 130.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Dies geht aus dem aktuellen Bericht des US-Arbeitsministeriums hervor. Die Diskrepanz zu den Prognosen ist enorm, da von Reuters befragte Ökonomen lediglich mit einem Zuwachs von 70.000 Stellen gerechnet hatten.
Parallel dazu sank die Arbeitslosenquote überraschend auf 4,3 Prozent, nachdem sie im Dezember noch bei 4,4 Prozent gelegen hatte. Diese Primärdaten suggerieren eine außerordentliche Robustheit der US-Wirtschaft, die jedoch einer tieferen analytischen Betrachtung kaum standhält.

Der sprunghafte Anstieg ist primär technischer Natur. Üblicherweise stellen US-Unternehmen für das Weihnachtsgeschäft massiv Aushilfen ein, die im Januar wieder freigesetzt werden. Da die Händler im Dezember 2025 jedoch vorsichtiger agierten und weniger Personal einstellten, fielen die Entlassungen im Januar geringer aus als im historischen Mittel. Die saisonale Bereinigung der Statistik führt dadurch zu einer künstlichen Überzeichnung des Jobwachstums.
Massive Datenkorrekturen entlarven 2025 als historisches Krisenjahr
Die eigentlich alarmierende Nachricht versteckt sich im Kleingedruckten des Berichts: Das Jobwachstum für das Gesamtjahr 2025 wurde drastisch nach unten korrigiert. Während ursprünglich 584.000 neue Stellen gemeldet wurden, revidierten die Statistiker diese Zahl nun auf lediglich 181.000 Stellen herunter.
Diese Revision verändert das makroökonomische Bild grundlegend. Der durchschnittliche monatliche Zuwachs liegt nicht mehr bei soliden 49.000, sondern bei mageren 15.000 Stellen. Allein für den Dezember wurde die Zahl der neuen Jobs um 48.000 nach unten korrigiert.
Faktisch macht diese Korrektur das Jahr 2025 zum schwächsten Jahr für die Schaffung von Arbeitsplätzen seit 16 Jahren. Die vermeintliche Stärke des Arbeitsmarktes entpuppt sich somit als statistisches Artefakt, während der langfristige Trend deutliche Risse zeigt.
Die US-Notenbank steht vor einem schwierigen Balanceakt für die zweite Jahreshälfte
Für die Federal Reserve (Fed) komplizieren diese volatilen Daten die geldpolitische Steuerung. Zuletzt hatte die Notenbank den Leitzins nach drei Senkungen in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent stabil gehalten. Die Arbeitsmarktdaten dienen hierbei als zentrale Orientierungsmarke.
Marktteilnehmer preisen derzeit weitere Zinssenkungen für die zweite Jahreshälfte ein. Das Tempo und Ausmaß dieser Schritte werden maßgeblich davon abhängen, ob sich die Schwäche von 2025 fortsetzt oder ob der statistische Ausreißer im Januar eine echte Trendwende markiert. Für das globale Börsengeschehen bleibt diese Unsicherheit der dominierende Faktor.

