Eine Zahl, die mehr verrät als sie zeigt
1,3 Prozent Anstieg der US-Importpreise im Februar. Der größte Monatszuwachs seit März 2022 – dem Monat, in dem Russlands Einmarsch in die Ukraine die globalen Rohstoffmärkte erschütterte. Ökonomen hatten lediglich 0,5 Prozent erwartet. Die tatsächliche Zahl ist mehr als doppelt so hoch.
Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte die Daten am Mittwoch. Sie passen in ein Bild, das sich in den vergangenen Wochen zunehmend schärfer abzeichnet: Die Inflation in den USA ist nicht besiegt. Sie kehrt zurück – diesmal von außen, durch Energiepreise und Lieferkettenstörungen, die der Iran-Krieg ausgelöst hat.
Im Jahresvergleich stiegen die Importpreise um 1,3 Prozent – der stärkste Anstieg seit Februar 2025. Im Januar hatte das Plus noch bei 0,3 Prozent gelegen.
Energie ist der Haupttreiber – und der Krieg der Katalysator
Der unmittelbare Auslöser ist eindeutig. Die importierten Kraftstoffpreise stiegen im Februar um 3,8 Prozent, nachdem sie im Januar noch um 1,2 Prozent gefallen waren. Der Iran-Krieg hat die Ölpreise seit Kriegsbeginn Ende Februar um mehr als 30 Prozent getrieben.
Doch Energie ist nur der sichtbarste Teil des Problems. Der S&P-Global-Unternehmensumfrage vom Dienstag zufolge zahlten Unternehmen im März mehr für Vorleistungen und gaben höhere Preise an ihre Kunden weiter – explizit begründet mit explodierenden Energiekosten und Lieferkettenstörungen.
Parallel dazu sind die Düngemittelpreise gestiegen, ein direkter Transmissionsriemen in die Lebensmittelinflation. Was heute im Hafen ankommt, steht in drei bis sechs Monaten als höherer Supermarktpreis im Regal.

Produzenten- und Importpreise gehen gleichzeitig hoch
Die Importpreisdaten vom Mittwoch sind nicht isoliert zu betrachten. Bereits in der Vorwoche hatte das Arbeitsministerium gemeldet, dass die Erzeugerpreise im Februar so stark gestiegen sind wie seit sieben Monaten nicht – getrieben von breiten Preiserhöhungen in Dienst- und Gütersektor.
Das ist das typische Muster einer sich aufbauenden Inflationswelle: Erst steigen Rohstoff- und Importpreise, dann die Produzentenpreise, schließlich die Verbraucherpreise. Die ersten beiden Stufen sind bereits eingetreten.
Erschwerend hinzu kommen die bestehenden US-Importzölle, die Unternehmen laut Reuters weiterhin schrittweise an Verbraucher weitergeben. Der Iran-Krieg addiert sich auf ein Preisniveau, das durch Handelspolitik bereits erhöht ist.
Was das für die Fed bedeutet
Die Federal Reserve befindet sich in einer klassischen Zwickmühle. Einerseits signalisieren schwächelnde Konjunkturdaten und Unsicherheit über den Kriegsverlauf, dass Zinssenkungen wünschenswert wären. Andererseits deuten steigende Import- und Erzeugerpreise darauf hin, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder anzieht.
Zinssenkungen in einem Umfeld beschleunigter Inflation würden die Glaubwürdigkeit der Fed beschädigen. Zinsen halten in einem möglicherweise abschwächenden Wachstumsumfeld verstärken den Konjunkturdruck. Es ist das Stagflationsszenario, vor dem Ökonomen seit Kriegsbeginn warnen.
Die Importpreisdaten vom Februar liefern kein abschließendes Urteil. Aber sie verstärken das Signal erheblich, dass der Zinspfad der Fed enger wird – und die Spielräume für politische Manöver schrumpfen.
Der Iran-Krieg hat Amerika teurer gemacht
Was in Washington als außenpolitisches Ereignis begann, ist längst ein innenwirtschaftliches Problem. Benzin kostet 3,60 Dollar pro Gallone, Düngemittelpreise steigen, Importgüter werden teurer, Lieferketten sind gestört.
Der Februar-Importpreisindex ist der erste vollständige Monatsabdruck des Iran-Kriegs auf die US-Wirtschaft. Er fällt deutlicher aus als erwartet. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es ein Ausreißer war – oder der Beginn einer neuen Inflationsphase, die die Fed und die amerikanischen Verbraucher noch lange beschäftigen wird.


