In einer aufsehenerregenden und vielbeachteten Rede zur Lage der Nation hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban deutliche Vorhaltungen gegenüber der Europäischen Union sowie prominenten deutschen Politikern ausgesprochen. Orban beschuldigt die Europäische Union und die deutsche politische Elite, verantwortlich für die Etablierung der Oppositionspartei Tisza zu sein. Diese Partei, die in den bevorstehenden Parlamentswahlen eine erhebliche Bedrohung für Orbans seit 16 Jahren dominierende Fidesz-Partei darstellt, sei nach seinen Ausführungen durch die Unterstützung aus Brüssel und insbesondere durch deutsche Politiker wie Manfred Weber, Vorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP), und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, auf den Weg gebracht worden.
Die Brisanz dieser Anklage wird dadurch verstärkt, dass Orbans Fidesz-Partei im Jahr 2021 aufgrund eines andauernden Streits über die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aus der EVP austrat. Interessanterweise entschieden sich die Mitglieder der Tisza-Partei im Juni 2024, der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament beizutreten. Diese Fraktion umfasst auch die deutschen Parteien CDU und CSU. Diese Verbindungen zwischen der Tisza-Partei und der EVP könnten den neuesten Umfragen zufolge eine bemerkenswerte Verschiebung in der politischen Dynamik Ungarns zur Folge haben.
Angesichts dieser Entwicklungen steht die politische Landschaft Ungarns vor einer entscheidenden Wahl im April. Erstmals in seiner langjährigen politischen Laufbahn sieht sich der 63-jährige Viktor Orban mit der realen Möglichkeit konfrontiert, seine Macht zu verlieren. Die Tisza-Partei, unter der Führung von Peter Magyar, liegt nach den gegenwärtigen Umfragen vor Orbans Fidesz-Partei. Diese Tatsache verleiht den Vorwürfen des Ministerpräsidenten einen Anstrich wachsender Nervosität und zeigt die potenziellen Umwälzungen im ungarischen Machtgefüge auf.
Die anstehende Wahl verspricht, zum Prüfstein für die Stabilität von Orbans politischer Vorherrschaft und möglicherweise zum Beginn einer neuen Ära in der ungarischen Politik zu werden. Während Orban versucht, seine Position zu festigen, beobachten politische Analysten und Bürger gleichermaßen aufmerksam und gespannt die Entwicklungen, die die Zukunft des Landes maßgeblich beeinflussen könnten.