Nach der beispiellosen militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Iran und Israel bleibt eine Frage in der israelischen Staatsführung vorerst unbeantwortet: Wie soll man auf die jüngsten Angriffe reagieren? Trotz eines mehr als dreistündigen Treffens des Kriegskabinetts wurden keine konkreten Beschlüsse zum weiteren Vorgehen getroffen, ein Umstand, der sowohl von der 'Times of Israel' als auch vom Nachrichtenportal 'Axios' unter Bezugnahme auf israelische Beamte kommuniziert wurde. Es steht im Raum, dass in Kürze weitere Diskussionen stattfinden sollen, um adäquate Handlungsoptionen zu sondieren.
Die historisch einmalige Konfrontation eskalierte in der Nacht zum Sonntag, als der Iran direkt israelisches Territorium angriff. Nach Angaben des israelischen Militärs zielten rund 300 Raketen, Drohnen und Marschflugkörper auf das Land, von denen jedoch die meisten abgefangen worden seien. Die Gegenschläge des Iran, die unter der Bezeichnung 'Aufrichtiges Versprechen' liefen, dienen nach Darstellung des Iran als Vergeltung für den Verlust zweier Brigadegeneräle, die in Syrien durch einen Luftschlag, dem Israel zugeordnet wird, zu Tode kamen.
Während einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats argumentierte der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani, die Vergeltungsaktionen seien Maßnahmen zur Selbstverteidigung gewesen: 'Diese Aktionen waren notwendig und verhältnismäßig.' Israels Repräsentant Gilad Erdan erwiderte jedoch, der Iran habe damit eine klare Grenze überschritten, und betonte Israels Recht, darauf Vergeltung zu üben. Vor einer eventuellen militärischen Erwiderung Israels auf die Angriffe warnte indes der Nationale Sicherheitsrat des Iran.
In der Zwischenzeit hat der amerikanische Präsident Joe Biden in einem strategisch bedeutsamen Dialog Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zur Vorsicht gemahnt. Der Austausch am Samstagabend (Ortszeit) wurde von einem leitenden US-Beamten dargestellt als eine klare Aufforderung Bidens an Netanjahu, über die möglichen Folgen eines Schlags gegen den Iran mit Bedacht zu entscheiden und dabei die Risikofaktoren einer Eskalation sorgfältig zu bedenken.