Nach intensiven Debatten hat das ukrainische Parlament eine kontrovers diskutierte Novelle zum Wehrrecht verabschiedet, die eine striktere Mobilisierung in der von Russland attackierten Nation vorsieht. Durch die Implementierung des neuen Gesetzes werden alle wehrpflichtigen Männer zwischen 18 und 60 Jahren dazu verpflichtet, während des bestehenden Kriegsrechts stets ihren Wehrpass bei sich zu tragen. Entsprechende persönliche Daten müssen binnen einer Frist von zwei Monaten aktualisiert werden – bei Nichteinhaltung drohen Sanktionen.
Die Gesetzesänderung sieht zudem vor, dass neue ukrainische Reisedokumente im Ausland nur noch bei Vorlage eines gültigen Wehrpasses ausgestellt werden, welche allerdings ausschließlich bei einer Rückkehr in die Ukraine erhältlich sind. Darüber hinaus werden für Missachtung von Einberufungs- sowie Musterungsaufforderungen neben monetären Strafen nun auch der Führerscheinentzug angedroht, wobei geplante Kontosperrungen letzten Endes nicht Teil des Gesetzestextes wurden.
Infolge der anhaltenden Invasion durch russische Streitkräfte und dem daraus resultierenden personellen Engpass in den ukrainischen Streitkräften hat Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits Maßnahmen ergriffen, um mehr Reservisten mobilisieren zu können. Das Einstellungsalter für Reservisten wurde von 27 auf 25 Jahre herabgesetzt, wodurch nun Männer in der Alterspanne von 25 bis 60 Jahren für den Wehrdienst herangezogen werden können.
Aktuelle Einschätzungen beziffern das verbleibende Mobilisierungspotential der Ukraine auf nahezu fünf Millionen Männer und Frauen, die die Reihen von Armee, Nationalgarde und Grenzschutz verstärken könnten. Trotz des Ausreiseverbots sind jedoch viele Wehrpflichtige aus dem Land geflohen, was zu einer beachtlichen Anzahl Fahndungen geführt hat. Seit dem Konfliktbeginn wurden über 46.000 Strafverfahren in Verbindung mit Desertion und unerlaubter Abwesenheit eingeleitet, wobei ein auffälliger Anstieg der Fälle im ersten Quartal des Jahres 2024 verzeichnet wurde.