Die geopolitische Lage im Mittleren Osten hat sich über das Wochenende dramatisch zugespitzt. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel, den USA und dem Iran sowie Berichte über Drohnenangriffe auf Zypern (Luftwaffenstützpunkt Akrotiri) haben Schockwellen durch die Reisebranche gesendet.

Für die Lufthansa und den Reisekonzern TUI ist die Situation besonders prekär. Im frühen Tradegate-Handel brachen die Kurse um über neun Prozent (TUI) bzw. über fünf Prozent (Lufthansa) ein. Damit rückt für die Kranich-Airline auch die gehoffte Rückkehr in den DAX in weite Ferne.
Das Belastungstrio: Flugverbote, Ölpreis und Zypern-Angst
Drei Faktoren wirken derzeit wie ein Bleigewicht auf die Kurse:
- Operativer Stillstand: Die Lufthansa hat Verbindungen zu zentralen Drehkreuzen wie Tel Aviv, Beirut, Teheran und Dubai bis mindestens Anfang März gestrichen. Auch strategisch wichtige Lufträume werden großflächig umflogen, was Flugzeiten und Kosten in die Höhe treibt.
- Kerosin-Schock: Parallel zur Eskalation schossen die Ölpreise nach oben. Da Treibstoff der größte variable Kostenblock einer Airline ist, frisst jeder Dollar Preissteigerung beim Rohöl direkt die mühsam erkämpften Margen auf.
- Unsicherheit auf Zypern: Der mutmaßliche Angriff auf den britischen Stützpunkt Akrotiri bringt den Konflikt gefährlich nah an europäische Feriengebiete, was TUI-Kunden zusätzlich verunsichert.
[Grafik: Kursentwicklung Lufthansa vs. TUI im 5-Tage-Vergleich (Intraday-Absturz deutlich sichtbar)]
Lufthansa zieht die Reißleine: Stornierungswelle bis 8. März
Die Lufthansa-Gruppe (inklusive Swiss und Austrian) reagiert konsequent. Flüge nach Amman, Erbil, Dammam und Teheran sind vorerst bis zum 8. März ausgesetzt. Dubai-Verbindungen pausieren vorerst bis zum 4. März. Für Passagiere bedeutet das Chaos, für den Konzern enorme Rückzahlungsverpflichtungen, da Kunden ihre Tickets kostenfrei stornieren oder umbuchen können.
Experten-Einschätzung: Wo finden Anleger noch Halt?
Analysten wie Harry Gowers von JPMorgan sehen die Branche kurzfristig im "Krisenmodus". Während die Lufthansa voll im Sturm steht, gilt der Billigflieger Ryanair aufgrund seiner anderen Streckennetz-Struktur als vergleichsweise defensiv.
| Aktie | Aktueller Status | Empfohlener Stopp-Kurs | Einschätzung |
| Lufthansa | Unter Verkaufsdruck | 6,80 € | Abwarten / Abstauberlimits |
| TUI | Massiver Kursrutsch | - | Hohe Volatilität |
| Ryanair | Relativ stabil | 22,00 € | Halten |
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Strategie für Investoren: Ruhe bewahren oder Reißleine ziehen?
Für bereits investierte Anleger ist Disziplin jetzt oberstes Gebot. Wer bei der Lufthansa positioniert ist, sollte die Reißleine ziehen, falls die Unterstützung bei 6,80 Euro nachhaltig unterschritten wird.
Neueinsteiger sollten sich nicht vom vermeintlich günstigen Kurs locken lassen. In einer solch dynamischen Kriegslage ist das "Greifen in das fallende Messer" brandgefährlich. Erst wenn eine diplomatische Entspannung oder eine Stabilisierung der Ölpreise eintritt, hellt sich das Bild für Lufthansa und TUI wieder auf. Wer dennoch mutig ist, legt sich mit "Abstauberlimits" deutlich unter dem aktuellen Niveau auf die Lauer, um von einer späteren Erholung zu profitieren.


