Die aggressive Expansion zielt auf die absolute Marktdurchdringung ab
Die chinesischen Automobilhersteller BYD und MG leiten die nächste Phase ihres Angriffs auf die deutsche Automobilwirtschaft ein. Mit einer massiven Ausweitung des Händlernetzes setzen die Konzerne auf Tempo und schiere Masse. Das erklärte Ziel beider Unternehmen ist eine lückenlose Abdeckung: Kein potenzieller Kunde soll mehr als 20 Minuten zum nächsten Standort fahren müssen.
Die Pläne sind ambitioniert und konkret terminiert. BYD beabsichtigt, die Anzahl seiner Vertriebspartner bis Ende 2026 auf 350 fast zu verdoppeln. Parallel dazu plant MG, kurzfristig auf 230 Standorte zu expandieren, mit einem mittelfristigen Zielhorizont von 250 Filialen. Diese Zahlen sind nicht willkürlich gewählt, sondern markieren einen strategischen Kipppunkt.

Finanzielle Anreize und niedrige Einstiegshürden locken wechselwillige Autohäuser
Um diese aggressive Wachstumsstrategie umzusetzen, nutzen die chinesischen Anbieter die aktuelle Unruhe im deutschen Autohandel. Während etablierte Marken oft hohe Investitionen für Corporate Identity (CI) verlangen, senken BYD und MG die Hürden drastisch. Finanzielle Begünstigungen sollen die Skepsis der Händler brechen.
Insbesondere BYD unterbietet die marktüblichen Investitionskosten deutlich. Dies ermöglicht auch kleineren Autohäusern, die von der Konsolidierungswelle bedroht sind, den schnellen Markenwechsel oder die Aufnahme einer neuen Marke ins Portfolio.
„Mit einem verhältnismäßig kleinen Investment von etwa 40.000 Euro oder weniger bekommen Händler bereits CI-Elemente von uns gestellt und können dann sofort mit einer temporären CI den Vertrieb starten“, so Lars Bialkowski, Deutschlandchef von BYD.
MG setzt zusätzlich auf volumenabhängige Boni für die markenkonforme Ausstattung der Showräume. Axel Blazejak, verantwortlich für das Händlernetz bei MG, bestätigt, dass sich der Bonus im laufenden Jahr nach dem Verkaufsvolumen richtet: Höhere Verkaufszahlen führen direkt zu höherer Förderung.
Der Kampf um private Käufer verschärft den Wettbewerb im Volumensegment
Die Expansion zielt primär auf den lukrativen, aber hart umkämpften Privatkundenmarkt. BYD visiert für 2026 mindestens 50.000 Neuzulassungen an, was eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde. Damit würde der Konzern an MG vorbeiziehen, das für das laufende Jahr 30.000 Einheiten und einen Marktanteil von gut einem Prozent anstrebt.
Analysten sehen hier durchaus Chancen, warnen aber vor der hohen Wettbewerbsintensität. Der Marktanteil wird aktuell noch stark durch taktische Zulassungen von Herstellern und Vermietern verzerrt, doch der Fokus verschiebt sich nun klar auf den Endverbraucher.
Das klassische Händlermodell dient als strategische Waffe gegen BMW und Mercedes
Ein entscheidender Hebel der chinesischen Strategie ist die bewusste Abgrenzung von den Vertriebsmodellen deutscher Premiumhersteller. Während Mercedes bereits auf das Agenturmodell setzt und BMW diesen Schritt plant, halten BYD und MG am klassischen Vertragshändler-Modell fest oder kehren dahin zurück.
Das Agenturmodell degradiert Händler zu reinen Vermittlern und reduziert deren Margen signifikant. Die chinesischen Newcomer nutzen den Unmut über diese Entwicklung, um erfahrene Händler abzuwerben, die um ihre Profitabilität fürchten.
Trotz dieser offensiven Händlerstrategie bleibt die Endkundenseite eine Herausforderung. Laut einem DAT-Report hegen drei Viertel der potenziellen Käufer weiterhin Qualitätsbedenken gegenüber chinesischen Fabrikaten und präferieren etablierte Marken.


