Die US-Sicherheitsarchitektur erfährt unter der Ägide von Donald Trump eine fundamentale Neuausrichtung, die für europäische Bündnispartner weitreichende finanzielle und strategische Konsequenzen haben wird. Ein am Samstag veröffentlichtes Strategiepapier des Weißen Hauses bestätigt den harten Kurswechsel.
Unter dem Titel „2026 National Defence Strategy“ kündigt Washington eine signifikante Reduktion der militärischen Unterstützung für Partnerländer an. Die Zeiten automatischer Sicherheitsgarantien scheinen vorüber.
Die neue Doktrin sieht vor, dass Verbündete künftig nur noch durch „entscheidende, aber begrenztere US-Hilfen“ unterstützt werden. Ziel dieser Verknappung ist es, die Partnerstaaten zwingend in die Eigenverantwortung zu drängen.
Washington definiert neue Kriterien für privilegierte Rüstungspartner
Das Pentagon etabliert mit der neuen Strategie ein Zweiklassensystem innerhalb der US-Allianzen. Es soll künftig sogenannte „Modellpartner“ geben, die sich durch hohe eigene Investitionen in ihre Verteidigungsfähigkeit auszeichnen.
Nur diesen Modellpartnern gewährt Washington künftig privilegierten Zugang zu strategischen Ressourcen. Dies umfasst den Vorrang bei komplexen Waffenverkäufen, tiefere Partnerschaften in der Wehrindustrie sowie eine intensivierte Zusammenarbeit der Geheimdienste.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer Sicherheitsbedrohungen nicht selbstständig angeht, verliert den Status als priorisierter Partner der Vereinigten Staaten.
Das Pentagon stuft Russland nur noch als handhabbare Bedrohung ein
Eine bemerkenswerte Neubewertung nimmt das Papier hinsichtlich der Russischen Föderation vor. Die Analysten des Pentagons bezeichnen Moskau zwar als „andauernde Bedrohung“ für die östlichen NATO-Partner, klassifizieren diese jedoch als „handhabbar“.
Die US-Strategen sprechen Russland explizit die Fähigkeit ab, einen hegemonialen Anspruch in Europa durchzusetzen. Als Begründung wird unter anderem die wirtschaftliche Diskrepanz angeführt: Allein die deutsche Volkswirtschaft stelle die russische ökonomisch in den Schatten.
Daraus leitet Washington die Forderung ab, dass die Eindämmung Russlands primär eine europäische Aufgabe sei, die ohne massive US-Truppenkontingente zu bewältigen ist.
Der strategische Fokus verschiebt sich endgültig auf China und Heimatschutz
Die „National Defence Strategy 2026“ zieht Ressourcen vom europäischen Kontinent ab, um sie auf zwei andere Kernbereiche zu konzentrieren: die direkte Verteidigung des US-Heimatlandes und die Abschreckung Chinas im Indopazifik.
Dies stellt eine Abkehr von der Nationalen Sicherheitsstrategie 2018 dar, die Russland und China noch gleichwertig als „revisionistische Mächte“ und zentrale Herausforderung definierte.
Die Trump-Administration bricht damit laut eigenen Angaben bewusst mit den „grandiosen Plänen“ früherer Regierungen nach dem Kalten Krieg. Der „America First“-Ansatz priorisiert nun strikt nationale US-Interessen über globale Stabilisierungsmissionen.

