Donald Trumps Angriff auf die europäische Souveränität hat eine ökonomische Dimension erreicht, die jeden bisherigen Rahmen sprengt.
Nach der grotesken Forderung des US-Präsidenten nach der Einverleibung Grönlands und der Androhung massiver Strafzölle reagiert die Europäische Union nicht mehr mit Diplomatie, sondern mit der Vorbereitung harter Vergeltung.
In Brüssel herrscht Alarmstufe Rot. Ratspräsident António Costa ruft die Staats- und Regierungschefs zu einer Krisensitzung zusammen. Ein physischer Sondergipfel wird noch für diese Woche erwartet, wahrscheinlich am Donnerstag.

Das Arsenal der EU umfasst Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro
Die Antwort der Europäer liegt bereits fertig ausgearbeitet auf dem Tisch. Es handelt sich um ein massives Paket an Gegenzöllen, das ursprünglich im Juli konzipiert wurde.
Das Volumen ist gigantisch: Waren im Wert von 93 Milliarden Euro stehen im Fadenkreuz. Betroffen wären symbolträchtige und wirtschaftlich relevante US-Exportgüter wie Bourbon, Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel.
Die Brisanz liegt im Automatismus dieser Maßnahme. Sollten sich die EU-Botschafter nicht auf eine alternative Strategie einigen oder Washington nicht einlenken, treten diese Strafzölle am 6. Februar automatisch in Kraft.
Ein ranghoher EU-Diplomat bestätigte gegenüber Reuters dieses Szenario. Die Zeit für Verhandlungen ist damit praktisch abgelaufen.
Das transatlantische Handelsabkommen ist politisch tot
Die Eskalation hat sofortige politische Konsequenzen für laufende Projekte. Das eigentlich ausgehandelte Handelsabkommen mit den USA, das Zollfreiheit für US-Waren vorsah, wird nicht ratifiziert.
EVP-Chef Manfred Weber teilte mit, dass das Europäische Parlament die für Mittwoch geplante Verabschiedung auf unbestimmte Zeit verschoben hat.
Dieses Abkommen war der Grund, warum die EU ihre Gegenzölle überhaupt ausgesetzt hatte. Fällt das Abkommen, fällt die Zurückhaltung.
Trumps Zeitplan gleicht einer finanziellen Erpressung
Der Auslöser dieser Krise ist ein Ultimatum, das in der modernen Diplomatie seinesgleichen sucht.
Trump fordert den Kauf der Arktisinsel Grönland. Um den Druck auf Dänemark und dessen Verbündete zu erhöhen, droht er mit einer Zoll-Kaskade.
Ab dem 1. Februar sollen Strafzölle von 10 Prozent auf alle Waren aus den betroffenen Ländern gelten. Ab dem 1. Juni steigt dieser Satz auf 25 Prozent.
Diese Zölle sollen laut Trumps Aussage auf „Truth Social“ so lange bestehen bleiben, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Insel erzielt ist.
Eine militärische Erkundungsmission diente als Vorwand für die Eskalation
Betroffen von den Drohungen sind acht Staaten, darunter Deutschland. Der Grund ist die Teilnahme an der Mission „Arctic Endurance“.
Auf Einladung Dänemarks befinden sich Soldaten mehrerer NATO-Länder, darunter 15 Angehörige der Bundeswehr, zu Erkundungszwecken auf Grönland.
Was Experten als strategisches Signal der Bündnistreue werteten, interpretiert Washington als Affront gegen US-Sicherheitsinteressen.

Europa demonstriert Geschlossenheit gegen den imperialen Zugriff
Die Reaktion der betroffenen Staaten ist ungewöhnlich scharf und koordiniert. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die nordischen Länder, sie seien entschlossen, ihre Souveränität zu wahren.
Der britische Premier Keir Starmer bezeichnete die Zölle als „vollkommen falsch“, Frankreichs Präsident Macron nannte sie „inakzeptabel“.
Die Bundesregierung wählt leisere Töne, ist in der Sache aber ebenso hart. Regierungssprecher Stefan Kornelius sprach von „engster Abstimmung“ über „geeignete Reaktionen“.
Das oft zitierte Anti-Coercion-Instrument der EU, geschaffen für genau solche Erpressungsversuche durch Drittstaaten, könnte nun seine Feuertaufe erleben.
Der Konflikt um Grönland ist längst kein Immobilienstreit mehr, sondern ein Testfall für den Fortbestand der westlichen Allianz.

