Handelskrieg als Auslöser für Rekordwachstum
Die im Frühjahr 2025 verhängten Strafzölle von Donald Trump haben die globalen Märkte erschüttert. In Deutschland lösten sie jedoch keinen Rückzug, sondern einen Run auf Wertpapierdepots aus. Zwischen Februar und August wuchs der Markt um rund 2,4 Millionen Depots – 1,4 Millionen mehr als saisonal zu erwarten gewesen wäre.
Grundlage dieser Erkenntnisse ist eine gemeinsame Analyse von Lemon Markets und Smartbroker, basierend auf Daten der Deutsche Bundesbank.
Februar 2025 sticht als Ausnahme hervor
Besonders auffällig war der Februar 2025. Direkt nach den Zollankündigungen legte der Depotmarkt um 1,04 Prozent zu – der stärkste bereinigte Monatswert seit zehn Jahren. Laut Analyse zeigt sich hier ein typisches Muster: Politische Schocks erhöhen die Aufmerksamkeit und senken die Einstiegshürde für neue Anleger.
Deutsche Investoren interpretieren Krisen offenbar häufiger als Kaufgelegenheit denn als Bedrohung. Diese Mentalität unterscheidet sie deutlich von klassischen Sicherheitsreaktionen früherer Jahrzehnte.

Während die Jahre niedriger oder negativer Zinsen zwischen 2014 und 2019 das Depotwachstum deutlich dämpften, wirkte die Corona-Pandemie als Katalysator. In dieser Zeit stieg das monatliche Wachstum im Schnitt kräftig an, da neue Anleger erstmals Zugang zum Kapitalmarkt suchten.
Zinswende und Energiekrise mit moderatem Effekt
Auch Inflation, Zinswende und Energiekrise führten zu zusätzlichen Depoteröffnungen, allerdings deutlich schwächer als Pandemie oder Handelskrieg. Der Trump-Zollschock übertraf diese Effekte klar und gilt laut Analyse als stärkster Einzelimpuls der vergangenen Dekade.
Digitale Anbieter profitieren besonders
Die Krisenjahre haben die Marktanteile verschoben. Direktbanken und Neobroker gewannen vor allem während der Pandemie stark hinzu, da digitale Prozesse den Einstieg erleichterten. Großbanken wuchsen zwar ebenfalls, jedoch mit geringerer Dynamik und höherer Stabilität.
Mit Zinswende und geopolitischen Spannungen verloren klassische Institute an Tempo, während digitale Anbieter ihre strukturellen Vorteile ausspielen konnten.
Saisonalität bleibt trotz Krisen stabil
Trotz aller Schocks folgt der deutsche Depotmarkt weiterhin klaren saisonalen Mustern. Die stärksten Zuwächse fallen regelmäßig auf die Monate Januar bis April, mit einem Höhepunkt im Februar. Im Sommer flacht das Wachstum ab, bevor es zum Jahresende erneut anzieht.
Kurzfristige Krisen verzerren diese Muster, heben sie aber nicht auf. Langfristig bleibt das Anlegerverhalten erstaunlich konstant.
Krisen treiben den Markteintritt
Der Depot-Boom 2025 zeigt, dass Unsicherheit nicht zwangsläufig zu Zurückhaltung führt. Im Gegenteil: Handelskonflikte wie die Trump-Zölle erhöhen die Aktivität privater Anleger deutlich. Für den deutschen Kapitalmarkt sind Krisen damit weniger Bremse als Beschleuniger.


