Laut der Politikwissenschaftlerin Laura von Daniels verfolgt der US-amerikanische Präsident Donald Trump eine gezielte Strategie der Spaltung innerhalb Europas, indem er Zölle gegen acht europäische NATO-Staaten androht. Diese Maßnahme sieht von Daniels als Ausdruck von Trumps Fähigkeit, politische Spannungen zu erzeugen und seine Macht zu demonstrieren. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erläuterte sie, dass hinter Trumps Verhalten mehr stecke als bloßes geopolitisches Interesse. Grönland werde von Trump als symbolträchtige Trophäe wahrgenommen, was zu einem maximalen Druck führen soll, um die bislang geschlossene europäische Haltung in der Grönland-Frage zu schwächen.
In den letzten Wochen gab es vermehrt Spekulationen darüber, dass der Supreme Court bald über die umstrittenen Notstands-Zölle entscheiden könnte. Diese Entscheidung hat das Potenzial, Trumps eigenmächtige Handelsmaßnahmen zu begrenzen. Normalerweise liegt die Befugnis zur Festlegung von Steuern und Zöllen ausschließlich beim US-Kongress. Doch die Trump-Administration umging diese gesetzgeberische Hürde, indem sie sich auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 berief, der dem Präsidenten erlaubt, in Krisensituationen Dekrete ohne vorherige Zustimmung des Parlaments zu erlassen.
Von Daniels zufolge könnte auch das Timing von Trumps Ankündigung als kalkulierte Machtdemonstration angesehen werden. Es sei kein Zufall, dass diese Maßnahme unmittelbar vor Trumps Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt wurde. Insbesondere Dänemark und Grönland würden durch eine Mischung aus Einschüchterung und Demütigung ins Visier geraten, obwohl offensichtliche wirtschaftliche und sicherheitspolitische Anlässe für ein solches Vorgehen offenbar fehlen. Vielmehr scheint es Trumps Absicht zu sein, die "Koalition der Willigen" zu destabilisieren, die sich für Grönlands Interessen einsetzt und dabei internationale Rechtsprinzipien verteidigt. Dieses Verhalten Trumps offenbart eine tiefergehende Taktik, die über den Einsatz von Handelsmaßnahmen hinausgeht und darauf abzielt, geopolitische und diplomatische Beziehungen neu zu justieren und potenziell zu zerreißen.