13. Februar, 2026

Technologie

Technologiepotenzial in Deutschland: Unerschlossene Chancen im globalen Wettbewerb

Eine jüngst veröffentlichte Analyse der renommierten Boston Consulting Group (BCG) in Zusammenarbeit mit dem Innovationszentrum UnternehmerTUM offenbart ein enormes Wertschöpfungspotenzial in Deutschland, das derzeit ungenutzt bleibt. Die Studie benennt bis zum Jahr 2030 eine beeindruckende Summe von circa 1,7 Billionen Euro, die durch einen strategischen Paradigmenwechsel genutzt werden könnte. Unter dem Titel „Wachstumspfade“ ruft die Untersuchung dazu auf, die Vermarktung von Forschungsergebnissen grundlegend zu reformieren, um im internationalen Wettbewerb nicht von Technologiegiganten wie den USA und China überholt zu werden.

Im Detail identifiziert die Expertise sechs Schlüsseltechnologiebereiche, die Deutschland dabei helfen könnten, seine industrielle Vorherrschaft weiter auszubauen. Diese umfassen Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Biotechnologie, klimaneutrale Energie und Fusion sowie Mobilität. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz liegt ein erheblicher Entwicklungsvorteil, vor allem in der industriellen Anwendung, der Robotik und bei der Erstellung globaler Modelle. Der Konkurrenzkampf mit den USA im Bereich generischer Sprachmodelle erscheint hingegen weniger erfolgsversprechend.

In der Mobilität stellt die Studie zukunftsfähige Sektoren wie fortschrittliche Batterieforschung, Hyperloop-Technologie sowie autonome Transportsysteme heraus. Trotz einer robusten wissenschaftlichen Infrastruktur und einer bemerkenswert hohen Anzahl an Patenten ist Deutschland jedoch in der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle hinterher. Dieses Manko hindert das Land daran, sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Technologievorreiterrolle ist der Mangel an ausreichendem Wachstumskapital. Während in den USA im Jahr 2024 rund 209 Milliarden US-Dollar in Form von Wagniskapital investiert wurden, bleibt Deutschland mit Investitionen von weniger als 10 Milliarden US-Dollar deutlich zurück. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch in der geringen Anzahl deutscher „Unicorns“ wider. Während es in den USA etwa 700 und in China rund 370 solcher hoch bewerteten Start-ups gibt, zählt Deutschland lediglich um die 30.

Michael Brigl, Senior Partner bei BCG und Leiter für Zentraleuropa, äußert sich dennoch optimistisch hinsichtlich der „Hightech Agenda“ des Bundesforschungsministeriums. Diese bietet eine wertvolle Chance, Deutschlands Rolle als führenden Technologiestandort neu zu positionieren. Technologiebereiche wie Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik und Biotechnologie sind nicht nur entscheidend für den wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch für die souveräne und resiliente Zukunft des Landes. Er betont, dass diese Technologien zentrale Bausteine für das Bekenntnis Deutschlands zur globalen Innovationsführerschaft darstellen.