Japan hat einen bedeutenden politischen Umbruch erlebt, nachdem Ministerpräsidentin Sanae Takaichi mit einem beeindruckenden Wahlerfolg die Liberaldemokratische Partei (LDP) erneut zur dominierenden Kraft in der mächtigen Parlamentskammer gemacht hat. Die LDP konnte laut ersten Analysen der Wählerbefragungen nach Schließung der Wahllokale ihre Sitzzahl von bisher 198 auf mehr als 300 der insgesamt 465 Sitze ausbauen. Eine mögliche Allianz mit der neoliberalen Ishin-Partei könnte der LDP sogar eine Zweidrittelmehrheit im Parlament sichern.
Seit ihrem Amtsantritt vor wenigen Monaten steht Sanae Takaichi als erste Frau an der Spitze der Regierung unter besonderer Beobachtung. Obwohl sie wegen ungelöster Probleme wie der steigenden Inflation und sinkender Realeinkommen in die Kritik geraten war, zeigte sie sich als fähige Führungspersönlichkeit. Ihre strategische Nutzung sozialer Medien trug erheblich zur Wiedererlangung der Beliebtheit der LDP bei. Vor ihrem Amtsantritt hatte die Partei, geplagt von Skandalen, erheblichen Rückhalt verloren und war zunehmend von der Unterstützung durch Ishin abhängig geworden.
Ein zentraler Schwerpunkt ihres Wahlkampfes war das sogenannte „Ausländerproblem“. Takaichi versprach eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze, um die als problematisch empfundene Zuwanderung zu beschränken. Dieser nationalistische Kurs half, konservative Wähler zurückzugewinnen, die zuvor zur rechtsextremen Sanseito-Partei abgewandert waren. Im Gegensatz dazu blieb die neu gegründete Oppositionspartei, die Zentristische Reformallianz, bestehend aus der Konstitutionellen Demokratischen Partei und Komeito, bei den Wahlen hinter ihren Erwartungen zurück.
Besonders bei jüngeren Wählern findet Takaichis konsequente sicherheitspolitische Ausrichtung Anklang, vor allem durch ihre entschiedene Haltung gegenüber chinesischer Einflussnahme. Ihre harte Rhetorik gegenüber Peking provozierte zwar heftige Reaktionen, steigerte jedoch ihre Popularität, anstatt sie zu schädigen. Ihre wirtschaftspolitischen Initiativen, darunter die Senkung der Benzinsteuer und steuerliche Anreize für junge Familien, verfolgen das Ziel, die nationale Wirtschaft zu stimulieren und die jüngere Generation zu unterstützen. Dies geschieht trotz der erheblichen Herausforderungen, die durch die hohe Staatsverschuldung entstehen.