Der deutsche Zuckerhersteller Südzucker hat angekündigt, seine Tochtergesellschaft Cropenergies vollständig zu übernehmen und anschließend von der Börse zu nehmen. Am Dienstagabend gab das Unternehmen bekannt, ein Delisting-Erwerbsangebot für alle noch nicht im Besitz befindlichen Aktien abzugeben. Der Angebotspreis soll bei 11,50 Euro in bar je Aktie liegen. Cropenergies war im Jahr 2006 an die Börse gegangen.
Südzucker-Chef Niels Pörksen erklärte, dass Cropenergies eine wichtige Säule der Unternehmensgruppe sei, der strategische Wert und das Wachstumspotenzial jedoch weder im Aktienkurs noch in der Bewertung angemessen widergespiegelt würden. Daher sei das Delisting ein logischer Schritt hin zu einem klareren Kapitalmarktprofil der Südzucker-Gruppe. Finanzvorstand Thomas Kölb erwartet durch die Transaktion zusätzliches Potenzial für eine Verbesserung der Liquidität und eine Neubewertung der Südzucker-Aktie. Zudem hätten Investoren schon lange eine Vereinfachung der Unternehmensstrukturen gefordert.
Die Nachricht führte am Mittwochmorgen zu einem Kurssprung von rund 70 Prozent bei Cropenergies auf eben jene 11,50 Euro. Am Vortag lag der Aktienkurs bei 6,75 Euro und erreichte damit das niedrigste Niveau seit März 2020. Die Aktien von Südzucker erholten sich um rund zwei Prozent. Seit Jahresbeginn verzeichnen sie noch immer einen Verlust von rund 13 Prozent, während die Aktien von Cropenergies rund elf Prozent verloren haben.
Analyst Oliver Schwarz von Warburg Research begrüßte das Delisting als eine positive Maßnahme zur Verringerung der Komplexität bei Südzucker. Zudem merkte ein Marktteilnehmer an, dass ein Ende der kostspieligen Börsennotiz der Tochter sinnvoll für Südzucker sei. Die geplante Erhöhung der Investitionen und der Druck auf die Margen im Ethanol-Bereich bleiben jedoch unverändert.
Durch den Erwerb von 4,87 Prozent der Cropenergies-Aktien von der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft erhöhte Südzucker seinen Anteil an der Tochter nun auf 74,06 Prozent.
Vorstand und Aufsichtsrat beider Unternehmen unterstützen den Schritt. Das Übernahmeangebot wird keine Vollzugsbedingungen und keine Mindestannahmeschwelle haben. Die Veröffentlichung der Angebotsunterlagen ist für Mitte Januar geplant. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die Annahmefrist beginnen. Das Angebot wurde durch eine Brückenfinanzierung in Höhe von 300 Millionen Euro von der Deutschen Bank vollständig abgesichert.
Cropenergies hatte zuletzt mit Prognosesenkungen aufgrund niedrigerer Ethanolpreise für Aufsehen gesorgt. Der Markt für Ethanol zeigt seit einiger Zeit in Europa extreme Preisschwankungen, was den Geschäftsverlauf von Cropenergies schwierig zu prognostizieren macht, so Südzucker.