Was als Schutz für die Verbraucher gedacht war, entpuppt sich am ersten Tag seiner Gültigkeit als finanzieller Vernichtungsschlag für Pendler und Logistiker. Seit diesem Mittwoch darf in Deutschland das Gesetz der Straße nur noch einmal am Tag nach oben korrigiert werden: Punkt 12 Uhr mittags. Doch statt der erhofften Stabilität erlebten die Tankstellen ein Preisbeben, das den ohnehin schon astronomischen Spritpreis auf ein neues Rekordniveau katapultierte.
Hinter der gut gemeinten Regulierung verbirgt sich eine ökonomische Logik, die die Mineralölkonzerne eiskalt zu ihren Gunsten nutzen. Da die Konzerne nun die Flexibilität verlieren, auf minütliche Schwankungen am Weltmarkt zu reagieren, bauen sie sich ein massives Sicherheitspolster ein. Das Ergebnis ist ein synchronisierter Preissprung, der die deutschen Autofahrer kollektiv zur Kasse bittet, während die Politik fassungslos zusehen muss, wie ihr Instrument nach hinten losgeht.
Der Fünf-Cent-Schock zur Mittagszeit pulverisiert alle Sparhoffnungen
Die Zahlen, die der ADAC unmittelbar nach der ersten "Deadline" am Mittwoch vorlegte, sind alarmierend. Wer um 11:59 Uhr den Zapfhahn zog, zahlte für den Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt noch 2,099 Euro. Nur wenige Augenblicke später, pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Tageshöchstgrenze, sprang der Preis auf 2,147 Euro. Ein satter Aufschlag von fast fünf Cent innerhalb weniger Minuten – eine Dynamik, die es in dieser Form zuvor selten gab.
Noch dramatischer stellt sich die Lage für die Diesel-Fahrer dar. Hier kletterte der Preis von 2,301 Euro auf 2,347 Euro. Es ist der bittere Beleg dafür, dass die "Einmal-am-Tag-Regel" die Volatilität nicht etwa glättet, sondern die Erhöhungen in einem einzigen, heftigen Impuls bündelt. Die Tankstellenbetreiber nehmen die Unsicherheiten des globalen Ölmarktes, der durch den anhaltenden Iran-Konflikt ohnehin unter Stress steht, einfach vorweg.

Die Kapitulation der Markttransparenzstelle vor der Profitgier
Der ADAC findet deutliche Worte für das Scheitern der Neuregelung. Die geringere Flexibilität der Konzerne führt offenbar dazu, dass potenzielle Steigerungen des Ölpreises bereits präventiv in den Mittagssprung eingepreist werden. „Stattdessen führt die geringere Flexibilität von Mineralölkonzernen offenbar eher dazu, dass Unsicherheiten wie ein gegebenenfalls steigender Ölpreis vorweggenommen werden“, so ein Sprecher des Automobilclubs.
Besonders kritisch wird die theoretische Möglichkeit gesehen, dass die Preise im Tagesverlauf jederzeit gesenkt werden dürfen. In der Theorie sollte dies den Wettbewerb fördern, in der Praxis bleibt es fraglich, ob die Konzerne von dieser Option nennenswert Gebrauch machen werden, wenn sie ihren Tagesumsatz bereits durch den massiven Mittagssprung gesichert haben. Die Transparenz, die das Gesetz schaffen sollte, wird durch die Gier nach Sicherheitspolstern der Mineralölriesen effektiv ausgehebelt.
Das Timing des Gesetzes wirkt wie ein Brandbeschleuniger
Dass das Gesetz ausgerechnet in einer Phase extremer geopolitischer Spannungen in Kraft tritt, verschärft die Situation zusätzlich. Erst am Dienstag, dem letzten Tag der alten Regelung, erreichten die Kraftstoffpreise in Deutschland neue Jahreshöchstwerte. Die Konzerne haben die Gunst der Stunde genutzt, um das Ausgangsniveau so hoch wie möglich anzusetzen, bevor die neue staatliche Fessel angelegt wurde.
Für den deutschen Autofahrer bedeutet dies: Die Schnäppchenjagd am Abend, die bisher oft zu niedrigeren Preisen führte, steht auf der Kippe. Wenn der Mittagspreis bereits alle Eventualitäten des kommenden Tages abdeckt, gibt es für die Tankstellen kaum noch einen Anreiz, die Preise in den Abendstunden signifikant zu senken. Die neue Tankregel könnte somit als das teuerste Bürokratie-Experiment der jüngeren deutschen Geschichte in die Annalen eingehen.
Die bittere Pointe bleibt den Pendlern: Der Staat wollte sie vor der Willkür der Konzerne schützen und hat ihnen stattdessen ein System beschert, das Preiserhöhungen nun gesetzlich legitimiert und zeitlich präzisiert.


