06. Mai, 2026

Wirtschaft

Spiel der Stärke: Thames Water im Finanztaumel

Spiel der Stärke: Thames Water im Finanztaumel

Im Tauziehen zwischen Thames Water und den britischen Aufsichtsbehörden sowie Ministerien scheint sich ein erster Gewinner abzuzeichnen — doch der Anschein könnte trügen. Trotz der jüngsten Warnung von Thames Water, dass dem Wasserversorger bis Jahresende das Geld ausgehen könnte, zeichnet sich eine vorübergehende Lösung ab. Ein Notkredit von drei Milliarden Pfund steht in Aussicht, der bei planmäßiger Genehmigung ab Januar greifen könnte und dem Unternehmen bis Oktober nächsten Jahres, vielleicht sogar bis Mai 2026, finanziellen Spielraum verschaffen würde.

Parallel dazu hat Thames Water den Prozess zur Suche nach neuen Eigenkapitalgebern eingeleitet. Dies könnte eine grundlegende Kapitalumstrukturierung nach sich ziehen. Der Erfolg hängt jedoch maßgeblich an der bevorstehenden fünfjährigen Regulierungsvereinbarung mit Ofwat, die nächste Woche veröffentlicht werden soll. Auch wenn eine Renationalisierung wohl abgewendet werden kann, bleibt die Frage der damit verbundenen Kosten offen.

Professor Sir Dieter Helm von der Universität Oxford, der die britische Regierung in Infrastrukturfragen beraten hat, äußerte kürzlich Bedenken über die anhaltende Praxis der "endlosen Flickschusterei" bei Thames Water. Er plädiert für eine temporäre Übernahme durch den Staat und eine umfassende Restrukturierung des größten privatisierten Wasserversorgers Großbritanniens. Die Alternative sei ein "langsames Sterben," sollte es neuen Eigentümern nicht gelingen, ausreichend in die Infrastruktur zu investieren und das Unternehmen effizient zu führen.

Es gibt bisher wenig Klarheit darüber, was potenzielle neue Investoren, wie beispielsweise Covalis, mit Thames Water vorhaben. Sollte deren Angebot erfolgreich sein, könnten sie versuchen, Vermögenswerte abzustoßen und den verbleibenden Unternehmenskern an die Börse zu bringen. Diese Pläne könnten jedoch als Notverkauf erscheinen, was erneut die Frage aufwirft, ob eine temporäre Renationalisierung nicht die bessere Lösung wäre.

Offen ist zudem, dass Thames Water bereits signifikante Kosten auf sich genommen hat, um sein Überleben zu sichern. Der gewährte Notkredit ist mit einem Zinssatz von 9,75 Prozent behaftet, und die Halbjahreszahlen des Unternehmens offenbarten über 50 Millionen Pfund an Ausgaben für Umstrukturierungen und Gläubigerverhandlungen — eine erfreuliche Einnahmequelle für Berater.

Während die Minister und Regulierungsbehörden den Eindruck erwecken, den ersten Schlagabtausch für sich entschieden zu haben, könnte sich letztlich jedoch die Frage stellen, ob eine marktbasierte Lösung den hohen Erwartungen gerecht wird.