28. Januar, 2026

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Speicherknappheit treibt Micron zu Milliardenoffensive in Asien

Der US-Speicherchiphersteller investiert 24 Milliarden Dollar in neue Kapazitäten und reagiert auf den globalen Engpass bei KI-tauglichem Speicher

Speicherknappheit treibt Micron zu Milliardenoffensive in Asien
Micron baut in Singapur eine neue Speicherchipfabrik für 24 Milliarden Dollar und reagiert auf den globalen Engpass durch KI-Boom.

Die Knappheit bei Speicherchips ist so groß, dass selbst milliardenschwere Investitionsprogramme wieder als Notmaßnahme gelten. Der US-Konzern Micron Technology will in Singapur eine neue Chipfabrik bauen und dafür in den kommenden zehn Jahren rund 24 Milliarden Dollar ausgeben. Ziel ist es, die Produktion von NAND-Flash-Speicher deutlich auszuweiten und die wachsende Nachfrage aus dem KI-Umfeld zu bedienen.

Die Anlage soll ab der zweiten Hälfte 2028 Wafer ausliefern. Geplant ist eine hochmoderne Fertigung mit einer Reinraumfläche von rund 700.000 Quadratfuß. Micron spricht von einer der größten Einzelinvestitionen in der Unternehmensgeschichte und von einem strategischen Schritt, um die eigene Lieferfähigkeit langfristig abzusichern.

Der Speicherengpass ist strukturell, nicht zyklisch

Hinter der Investition steht weniger Optimismus als Zwang. Der globale Speicherchipmarkt leidet unter einer akuten Unterversorgung. Der massive Ausbau von KI-Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und datenintensiven Anwendungen hat die Nachfrage nach allen Arten von Speicherchips explodieren lassen. Betroffen sind klassische NAND-Produkte ebenso wie DRAM und Hochleistungsspeicher für KI-Beschleuniger.

Analysten rechnen damit, dass sich die Angebotslücke bis weit ins Jahr 2027 hineinzieht. Selbst aggressive Ausbaupläne reichen bislang nicht aus, um mit dem Nachfragewachstum Schritt zu halten. Micron und seine Wettbewerber stehen damit vor einem Dilemma: Zu wenig Investitionen gefährden Marktanteile, zu viel Kapazität könnte später erneut Preiskrisen auslösen.

Singapur wird zum Zentrum von Microns Produktion

Für Micron ist Singapur längst mehr als ein Auslandsstandort. Rund 98 Prozent seiner Flash-Speicherchips werden bereits dort gefertigt. Zusätzlich baut der Konzern derzeit eine sieben Milliarden Dollar teure Anlage für Advanced Packaging von High-Bandwidth-Memory, das vor allem in KI-Chips zum Einsatz kommt. Diese Fabrik soll 2027 in Betrieb gehen und die Lieferketten für KI-Hardware stabilisieren.

Mit der neuen Wafer-Fabrik vertieft Micron seine Abhängigkeit von dem Stadtstaat – und setzt gleichzeitig auf dessen politische Stabilität, industrielle Infrastruktur und Nähe zu asiatischen Zulieferketten. Singapur profitiert davon als Halbleiterstandort, der sich zwischen China, Taiwan und Südkorea positioniert.

Der Wettbewerb zieht das Tempo an

Micron ist mit seinem Expansionskurs nicht allein. Die beiden größten Rivalen, Samsung Electronics und SK Hynix, beschleunigen ebenfalls ihre Investitionspläne. SK Hynix kündigte zuletzt an, die Eröffnung eines neuen Werks um drei Monate vorzuziehen und eine weitere Fabrik bereits im Februar in Betrieb zu nehmen.

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Auch Micron selbst erweitert parallel seine Produktionsbasis. In der vergangenen Woche bestätigte das Unternehmen Gespräche über den Kauf einer Fertigungsstätte des taiwanischen Herstellers Powerchip für 1,8 Milliarden Dollar. Der Schritt würde die DRAM-Kapazitäten kurzfristig erhöhen und die Abhängigkeit von einzelnen Standorten verringern.

Preise steigen, Kunden akzeptieren höhere Kosten

Die Knappheit schlägt inzwischen klar auf die Preise durch. Nach Einschätzung von TrendForce könnten die Vertragspreise für Enterprise-SSDs um 55 bis 60 Prozent steigen. Besonders stark ist die Nachfrage bei großen nordamerikanischen Cloud-Anbietern, die ihre Bestellungen seit Ende vergangenen Jahres deutlich vorziehen, um sich Kapazitäten für KI-Anwendungen zu sichern.

Der Markt für Hochleistungsspeicher wächst schneller als selbst optimistische Prognosen erwartet hatten. KI-Inference, agentenbasierte Systeme und datenintensive Modelle treiben den Bedarf an schnellen, energieeffizienten Speicherlösungen nach oben. Für Hersteller wie Micron bedeutet das kurzfristig hohe Margen, langfristig aber einen enormen Investitionsdruck.

Micron bleibt ein Herausforderer mit Ambitionen

Trotz der Milliardenprogramme ist Micron kein dominanter Marktführer. Nach Daten von TrendForce lag der Konzern im dritten Quartal 2025 mit einem Marktanteil von 13 Prozent nur auf Platz vier unter den Flash-Speicheranbietern. Samsung und SK Hynix verfügen über größere Volumina und breitere Produktportfolios.

Die Investition in Singapur ist daher auch ein Signal an Kunden und Investoren: Micron will sich nicht mit einer Nebenrolle im KI-Zeitalter zufriedengeben. Wer die Lieferfähigkeit bei Speicherchips kontrolliert, gewinnt Einfluss entlang der gesamten Wertschöpfungskette der digitalen Wirtschaft.

Der globale Speicherboom zwingt die Branche zu Entscheidungen mit Langzeitwirkung. Micron setzt dabei auf Größe, Geschwindigkeit und geografische Konzentration – und bindet Milliardenkapital an einen Markt, der auf Jahre hinaus unter Hochspannung stehen dürfte.

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