01. Januar, 2026

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Sparkasse Gelsenkirchen: Tausende Tresore geplündert

3200 Tresore geplündert, Schaden in zweistelliger Millionenhöhe: Der Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen sprengt alles, was es bislang in Deutschland gab.

Sparkasse Gelsenkirchen: Tausende Tresore geplündert
Einbruch mit historischem Ausmaß: In Gelsenkirchen wurden 3200 Schließfächer geknackt. Der Schaden könnte 30 Millionen Euro erreichen.

Das Loch in der Tresorwand ist das sichtbare Zeichen eines Coups, der selbst erfahrene Ermittler sprachlos macht. Was sich in der Nacht auf Sonntag in einer Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen abspielte, dürfte als einer der größten Bankeinbrüche der deutschen Kriminalgeschichte eingehen.

Fast alle Schließfächer betroffen

Nach Angaben der Sparkasse Gelsenkirchen wurden rund 3200 Schließfächer aufgebrochen. Etwa 2700 Kundinnen und Kunden sind betroffen, rund 95 Prozent aller vermieteten Tresore in der Filiale. Eine Dimension, die selbst große Einbrüche der vergangenen Jahre deutlich übertrifft.

Ermittler schätzen den Schaden derzeit auf etwa 30 Millionen Euro. Diese Zahl ergibt sich aus der standardmäßigen Versicherungssumme von 10.300 Euro pro Schließfach. Wie hoch der tatsächliche Schaden ausfällt, wird sich erst zeigen, wenn alle Betroffenen ihre Verluste gemeldet haben. Viele Kunden berichten bereits, dass sie deutlich höhere Werte deponiert hatten.

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Entdeckt durch einen Brandmeldealarm

Der Einbruch flog durch einen Brandmeldealarm in der Nacht zu Montag auf. Zuvor hatten die Täter offenbar ungestört gearbeitet. Bereits am Samstag hatte es einen Alarm gegeben, bei dem Polizei und Feuerwehr ausrückten, jedoch keine Auffälligkeiten feststellten. Auch dieser Einsatz ist nun Teil der Ermittlungen.

Zeugen berichteten später von mehreren Männern mit großen Taschen im Treppenhaus eines angrenzenden Parkhauses. Von dort aus verschafften sich die Täter Zugang zum Bankgebäude.

Präzise vorbereitet, professionell umgesetzt

Die Ermittlungen der Polizei zeichnen das Bild eines minutiös geplanten Vorgehens. Die Täter drangen über das Parkhaus ein, überwanden mehrere Türen und gelangten in einen Archivraum. Von dort aus bohrten sie mit Spezialgerät ein großes Loch durch die Wand des Tresorraums.

Die Tatdauer dürfte erheblich gewesen sein. 3200 Schließfächer lassen sich nicht in Minuten aufbrechen. Alles deutet darauf hin, dass die Täter über Stunden hinweg arbeiteten – ohne entdeckt zu werden.

Flucht im gestohlenen Audi RS 6

Auf Videoaufnahmen aus dem Parkhaus fiel den Ermittlern ein schwarzer Audi RS 6 auf, der am frühen Montagmorgen ausfuhr. Die Insassen waren maskiert, einer von ihnen betätigte die Schranke. Das Kennzeichen des Fahrzeugs war zuvor in Hannover entwendet worden.

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Die Polizei Gelsenkirchen wertet die Aufnahmen aus und bittet um Hinweise. Der Aufwand, das Fahrzeug, die Werkzeuge und das Vorgehen sprechen für organisierte Täter mit Erfahrung im Bereich schwerer Einbruchskriminalität.

Wut und Verunsicherung bei den Kunden

Nach Bekanntwerden der Tat kam es vor der Filiale im Stadtteil Buer zu chaotischen Szenen. An zwei Tagen in Folge versammelten sich Hunderte Betroffene vor dem Gebäude, um Informationen zu erhalten. Die Stimmung war aufgeheizt, zeitweise drohte sie zu eskalieren.

Mehrere Personen drängten an Sicherheitskräften vorbei in den Vorraum der Bank. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an und sperrte den Bereich. Durchsagen machten klar: Die Filiale bleibt geschlossen, Informationen gibt es ausschließlich online.

Hotline statt Schalterbetrieb

Die Sparkasse reagierte mit einem Fragen- und Antwort-Katalog auf ihrer Website und schaltete zehn Hotline-Nummern frei. Diese sollten sogar am 31. Dezember, eigentlich ein Bankfeiertag, erreichbar sein. Gleichzeitig bat das Institut dringend darum, von persönlichen Besuchen abzusehen.

Im Hintergrund laufen Gespräche mit Versicherern. Ziel sei eine möglichst kundenfreundliche Schadensabwicklung, teilte die Sparkasse mit. Betroffene sollen individuell kontaktiert werden.

Versicherung wird zum Streitpunkt

Ein zentrales Problem zeichnet sich bereits ab: die Höhe des Versicherungsschutzes. Standardmäßig sind Inhalte von Schließfächern mit 10.300 Euro abgesichert. Viele Kunden geben jedoch an, deutlich höhere Summen, Schmuck oder Wertpapiere eingelagert zu haben.

Zwar besteht die Möglichkeit, höhere Versicherungssummen abzuschließen, doch nicht alle Kunden haben davon Gebrauch gemacht. Der Bund der Versicherten rät Betroffenen, bestehende Policen genau zu prüfen. In manchen Hausratversicherungen sind Bankschließfächer über eine Außenversicherung mitabgedeckt – allerdings oft begrenzt.

Vergleich mit früheren Großcoups

Der Fall übertrifft frühere Einbrüche deutlich. Ende 2024 wurden in einer Lübecker Filiale der Deutsche Bank 371 Schließfächer aufgebrochen, der Schaden lag bei mehr als 18 Millionen Euro. Bislang wurden dort über sieben Millionen Euro an Kunden ausgezahlt.

2021 räumten Täter in Norderstedt rund 650 Schließfächer der Hamburger Sparkasse aus. Der Schaden belief sich auf mehr als zehn Millionen Euro und führte zu langwierigen Haftungsprozessen.

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Eine Vertrauensfrage für Banken

Der Einbruch wirft grundsätzliche Fragen auf. Schließfächer gelten für viele Kunden als sicherster Ort für Wertsachen. Dass Täter nahezu den gesamten Tresorraum einer Filiale ausräumen konnten, erschüttert dieses Vertrauen massiv.

Juristisch dürfte der Fall komplex werden. Da Banken den Inhalt von Schließfächern nicht kennen, liegt die Beweislast häufig bei den Kunden. Der Bundesverband deutscher Banken rät seit Jahren, den Inhalt detailliert zu dokumentieren – ein Rat, der nun bittere Aktualität bekommt.

Ein Coup mit Folgen

Für die Ermittler ist der Fall ein Mammutprojekt. Für die Sparkasse ein Reputationsschaden von kaum absehbarem Ausmaß. Und für Tausende Kunden beginnt eine Phase der Ungewissheit, in der es um mehr geht als Geld: um das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Vermögens.

Der Tresor ist leer. Die politische, juristische und emotionale Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.