Elon Musk hat eine Grenze überschritten, die bislang theoretisch schien. Nach einer aktualisierten Schätzung des Magazins Forbes liegt sein Vermögen erstmals bei über 600 Milliarden Dollar. Kein Unternehmer, kein Erbe, kein Staatsfondsmanager wurde jemals höher taxiert. Der Ausschlag kam nicht von der Börse, sondern aus einem internen Aktienverkauf bei SpaceX.
Die Raumfahrtfirma, die Musk kontrolliert, ist nicht börsennotiert. Gerade deshalb hat jede neue Preisfindung enorme Wirkung – auf dem Papier.
SpaceX treibt den Vermögenssprung
Auslöser der Neubewertung war ein Aktienverkauf durch Mitarbeiter und frühe Investoren von SpaceX. Der dabei festgelegte Preis impliziert einen Unternehmenswert von rund 800 Milliarden Dollar. Forbes hatte SpaceX zuvor nur mit etwa 400 Milliarden Dollar in seine Vermögensrechnung einbezogen.
Die Anpassung wirkt unmittelbar. Musk hält rund 40 Prozent an SpaceX. Verdoppelt sich die angenommene Bewertung des Unternehmens, verdoppelt sich rechnerisch auch der Wert dieses Vermögensbausteins. Innerhalb weniger Stunden sprang Musks geschätztes Gesamtvermögen von gut 500 Milliarden auf rund 677 Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: Noch am selben Tag taxierte der Finanzdienst Bloomberg Musks Vermögen auf etwa 470 Milliarden Dollar. Die Differenz zeigt, wie stark solche Rankings von Bewertungsannahmen abhängen – vor allem bei nicht börsennotierten Beteiligungen.
Private Bewertungen ersetzen den Markt
Anders als Tesla, dessen Aktienkurs täglich neu festgestellt wird, entzieht sich SpaceX der permanenten Marktbeobachtung. Es gibt keinen fortlaufenden Preis, keine Liquidität, keine öffentliche Preisbildung. Stattdessen dienen Finanzierungsrunden oder interne Transaktionen als Ankerpunkte für Bewertungen.
Diese Preise entstehen unter besonderen Bedingungen. Käufer und Verkäufer sind begrenzt, die Stückzahlen klein, strategische Motive spielen eine Rolle. Solche Bewertungen können sich als zu hoch, zu niedrig oder schlicht als Momentaufnahme erweisen. Sie sind kein Versprechen auf einen späteren Börsenwert.
Trotzdem fließen sie in Vermögensschätzungen ein – mangels Alternativen. Forbes folgt damit seiner eigenen Methodik, akzeptiert aber implizit, dass die Zahl eher eine Hochrechnung als eine realisierbare Größe ist.
Tesla bleibt wichtig, verliert aber an Gewicht
Über Jahre war Tesla der dominierende Vermögensanker von Elon Musk. Kursanstiege und -einbrüche der Aktie bestimmten seinen Platz in den Reichenlisten. Mit der neuen SpaceX-Bewertung verschiebt sich das Verhältnis deutlich.
Tesla bleibt ein zentraler Baustein, doch SpaceX gewinnt massiv an relativer Bedeutung. Der größte Teil des jüngsten Vermögenssprungs kommt nicht aus dem Automarkt, sondern aus der Raumfahrt. Das ist bemerkenswert, weil SpaceX operativ weiterhin kapitalintensiv ist und regelmäßig hohe Investitionen erfordert.
Die Bewertung von 800 Milliarden Dollar impliziert enorme Erwartungen an zukünftige Erlöse – aus Satelliteninternet, staatlichen Raumfahrtaufträgen und langfristig aus bemannten Missionen. Ob sich diese Erwartungen jemals in Cashflows niederschlagen, ist offen.
600 Milliarden Dollar sind kein verfügbares Vermögen
Die Zahl wirkt spektakulär, sagt aber wenig über Musks tatsächliche finanzielle Flexibilität aus. Sein Vermögen ist hochgradig illiquide. Es besteht fast vollständig aus Unternehmensanteilen, die sich nicht ohne Weiteres veräußern lassen, ohne Preise zu bewegen oder Kontrollfragen aufzuwerfen.
Selbst bei SpaceX sind Verkäufe streng reglementiert. Mitarbeiterverkäufe erfolgen in kontrollierten Programmen, externe Käufer sind ausgewählt. Für Musk selbst ist ein großvolumiger Verkauf politisch wie strategisch kaum denkbar.
Das unterscheidet Vermögensschätzungen von realer Kaufkraft. Sie messen Einfluss, nicht Liquidität.
Der symbolische Wert überstrahlt die Zahl
Dass Elon Musk nun als erster Mensch jenseits der 600-Milliarden-Dollar-Marke geführt wird, ist vor allem ein symbolischer Moment. Er markiert die extreme Vermögenskonzentration im Technologiesektor und die Macht privater Bewertungen in einer Welt, in der immer mehr Wert außerhalb öffentlicher Märkte entsteht.
Gleichzeitig zeigt der Fall Musk die Grenzen solcher Rankings. Ein einzelner interner Aktienpreis kann Hunderte Milliarden Dollar Vermögen erzeugen oder auslöschen – zumindest auf dem Papier.
Die Zahl steht. Ob sie Bestand hat, entscheidet nicht die Raumfahrt, sondern die nächste Bewertung.


