In den Handelsräumen von New York bis San Francisco herrscht nackte Panik: Seit der Einführung von Anthropics „Claude Cowork“ fürchten Investoren den „Todesstoß“ für klassische Software-Abos. Der gesamte Sektor verlor 2026 bereits 22 Prozent an Wert.

Doch inmitten dieser Trümmerlandschaft sendet ServiceNow ein Signal der Stärke, das in seiner Aggressivität sprachlos macht. Während Anleger massenweise ServiceNow-Papiere auf den Markt werfen, agiert die Konzernspitze wie ein Fels in der Brandung. Es ist ein Spiel um alles oder nichts, bei dem das Management mit dem eigenen Privatvermögen gegen die Untergangsszenarien der Analysten wettet.
McDermott setzt drei Millionen Dollar Privatvermögen gegen den KI-Vernichtungsschlag
Bill McDermott ist nicht dafür bekannt, kleine Brötchen zu backen, doch sein jüngster Schachzug ist ein Beben für die gesamte Branche. Privat investierte er drei Millionen Dollar in ServiceNow-Aktien – und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Papier rund 55 Prozent unter seinem Allzeithoch notiert. Es ist die ultimative Demonstration von „Skin in the Game“. Doch er steht nicht allein: In einem fast beispiellosen Vorgang stoppte die gesamte Führungsebene, inklusive des Finanzvorstands, ihre automatisierten Aktienverkaufspläne (10b5-1) – eine klare Botschaft: Wir verkaufen nicht zu diesen Ramschpreisen.
Dieses konzertierte Vorgehen der Insider ist ein seltener Lichtblick in einem Markt, der ServiceNow bereits auf dem Schrottplatz der Technikgeschichte sah. Wenn die Köpfe hinter dem Unternehmen ihre Verkäufe stoppen und stattdessen Millionen investieren, stellt das die These der KI-Disruption massiv infrage. McDermott wettet darauf, dass ServiceNow nicht von KI-Agenten ersetzt wird, sondern zur unverzichtbaren Schaltzentrale dieser neuen Technologie aufsteigt.
Das 5-Milliarden-Dollar-Rückkaufprogramm soll flüchtende Bären gnadenlos ausquetschen
Um den Kurssturz nicht nur verbal, sondern mit harter Währung zu stoppen, hat das Board ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm über fünf Milliarden Dollar autorisiert. Davon werden zwei Milliarden Dollar sofort als „Accelerated Share Repurchase“ (ASR) in den Markt gepumpt. Das Ziel ist klar: Durch die drastische Reduzierung der ausstehenden Aktien wird der Gewinn pro Aktie künstlich aufgebläht und der Abwärtsdruck gebrochen. Es ist eine finanzielle Festung, die McDermott um sein Unternehmen errichtet hat, um Leerverkäufer in die Flucht zu schlagen.

Die Kriegskasse dafür ist prall gefüllt. Mit einer Free-Cash-Flow-Marge von beeindruckenden 57 Prozent im letzten Quartal 2025 agiert ServiceNow aus einer Position der finanziellen Unantastbarkeit. Während Start-ups um Kapital ringen, verbrennt ServiceNow kein Geld, sondern druckt es förmlich. Dieser operative Schutzschild erlaubt es dem Konzern, die aktuelle Panikphase auszusitzen und gleichzeitig die Basis für den nächsten Aufschwung zu legen.
Strategie „AI Control Tower“ soll ServiceNow zur unersetzlichen KI-Polizei machen
Die Angst des Marktes, dass autonome KI-Agenten klassische Workflows übernehmen, kontert McDermott mit einer neuen Vision: dem „AI Control Tower“. ServiceNow will nicht das Tool sein, das die Arbeit erledigt, sondern die Instanz, die diese Arbeit überwacht, steuert und rechtlich absichert. Zukäufe wie Armis und Moveworks untermauern diesen Anspruch. In einer Welt voller autonomer Agenten brauchen Unternehmen eine Governance-Struktur – und genau hier sieht ServiceNow seine Zukunft.
Die UBS-Analysten haben diese Chance bereits erkannt und stufen ServiceNow als technisch „überverkauft“ ein. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich unter dem historischen Durchschnitt, was die Aktie zu einem der wenigen echten Schnäppchen im Tech-Sektor macht. Für die UBS ist ServiceNow kein Opfer der KI-Revolution, sondern deren potenzieller Gewinner, da das Unternehmen die Infrastruktur für das „Agentic AI“-Zeitalter liefert.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob McDermotts Drei-Millionen-Wette aufgeht. Sollte ServiceNow tatsächlich zum zentralen Betriebssystem für KI-Agenten werden, könnte der aktuelle Kurssturz als eine der größten Kaufgelegenheiten des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen.
Bill McDermott hat seinen Einsatz auf den Tisch gelegt – jetzt muss die KI-Revolution beweisen, ob sie ServiceNow wirklich stürzen kann.



