Die Aussichten für globale Finanzmärkte erscheinen verhalten optimistisch, da sich die Inflation abschwächt und die Aktienmärkte Stärke zeigen. Doch sorgt die Kombination aus aggressiver Fiskalpolitik während der Pandemie und anhaltend hohen Zinssätzen für ein Wiederaufleben der Besorgnis hinsichtlich der Schuldenhaltbarkeit, die seit der Finanzkrise von 2008 nicht mehr so global spürbar war.
Obwohl bedenkliche Schuldenstände insbesondere bei dauerhaft höheren Zinsraten unübersehbar sind, sehen Experten derzeit keine akuten Probleme bei der Schuldendienstleistung. Das Hauptproblem besteht darin, dass umfangreiche Staatsschulden in Verbindung mit anhaltend hohen realen Renditen staatliche Ausgaben verdrängen, die politische Handlungsfähigkeit in der nächsten Abschwungsphase einschränken und letztendlich das Wachstum hemmen.
Trotz global steigender Schuldenstände gibt es markante Unterschiede hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Während die Haushaltsverschuldung in den USA seit der Krise 2008 erheblich zurückgegangen ist und das Verhältnis der Schuldendienstkosten zum Einkommen von 10,2 Prozent im Jahr 2004 auf 7,3 Prozent im Jahr 2024 gesunken ist, wird die öffentliche Schuld deutlich kritischer betrachtet. Die US-Regierungsschulden haben inzwischen 34 Billionen US-Dollar erreicht, und die Verschuldung des Bundes im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt hat sich in 20 Jahren von 60,2 Prozent auf 120,6 Prozent verdoppelt.
Die zunehmenden Staatschulden sind besorgniserregend, da sie mit drei sich überschneidenden Effekten große Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnten: geringere zukünftige Ausgaben, steigende Anfälligkeit für Marktschocks und kompliziertere politische Entscheidungen für Zentralbanken und Regierungen, die zwischen Gewinnern und Verlierern abwägen müssen, wenn die Schuldenkosten steigen.
Die US-Wirtschaft hat sich nach der Covid-Erholung im Vergleich zu entwickelten Märkten durchgesetzt und ist jetzt 8,2 Prozent größer als im vierten Quartal 2019, verglichen mit einem Zuwachs von 3,5 Prozent im Euroraum, 2,8 Prozent in Japan und 1,1 Prozent im Vereinigten Königreich. Diese Überlegenheit wurde weitgehend durch massive Geldtransfers von der Regierung an Konsumenten und Unternehmen seit Beginn der Pandemie gefördert. Auch der Inflation Reduction Act und der Chips and Science Act haben erhebliche positive Effekte gehabt, indem sie viele Milliarden in saubere Energie und die Stärkung der Halbleiterproduktion der USA leiteten. Die Phase der positiven Effekte könnte sich jedoch wenden, wobei das Ausmaß und die Dramatik des Wechsels von der nach der US-Präsidentschaftswahl entstehenden politischen Ausrichtung abhängen werden. Nichtsdestotrotz würde bereits ein stagnierender Haushalt die Wachstumsausichten dämpfen.
Dank des Status des US-Dollars als globale Reservewährung ist es unwahrscheinlich, dass es an Käufern für US-Schulden mangelt. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie hoch der Preis sein wird, den die Käufer zu zahlen bereit sind. Die generelle Regel von Angebot und Nachfrage legt nahe, dass ein Überangebot den Preis drückt. Im Falle von US-Schulden bedeutet ein gesunkener Preis jedoch höhere Zinsen. Steigende Renditen von Staatsanleihen führen zu einer Verschärfung der Ausgabenentscheidungen der US-Regierung.
Hinzu kommt, dass amerikanische Banken einen beachtlichen Anteil an US-Regierungsschulden halten. Steigende Renditen können dabei zu rasch anwachsenden Verlusten in den Büchern der Banken führen. Ein fiskalischer 'Unfall' ähnlich dem 'Mini'-Budget des Vereinigten Königreichs im September 2022 könnte sofortige, unvorhersehbare Auswirkungen auf das US-Banken- und Finanzsystem haben. Größere Verluste würden zudem dazu führen, dass Banken mehr Reserven halten müssen, wodurch sich ihre Kreditvergabeaktivitäten verringern würden.
Anleger sollten sich jetzt nicht von Bonds abwenden, trotz der steigenden Schuldenstände. Hochwertige Staatsanleihen, einschließlich der US-Staatsanleihen, bleiben attraktiv. Risiken werden in übermäßig verschuldeten Sektoren erwartet, insbesondere im kommerziellen Immobilienbereich, in Teilen der vermögensgesicherten Wertpapiermärkte und im Bereich des niedrig bewerteten Hochzinsanleihen. Auch ein abflauendes Wachstum könnte Aktienmärkte ins Straucheln bringen.
Die Ansammlung öffentlicher Schulden weltweit erhöht die Dringlichkeit einer tragfähigen Schuldenpolitik. Fehlentscheidungen der Vergangenheit haben heutigen und zukünftigen Generationen massive Defizite hinterlassen. Die Zukunft ist eingetroffen: Wir leben auf geborgter Zeit.