AirAsia X (AIRX.KL) vollzieht derzeit einen der radikalsten strategischen Wendepunkte in der asiatischen Luftfahrtgeschichte. Nach der Übernahme des Kurzstreckengeschäfts von Capital A (CAPI.KL) zielt die Airline nun auf eine massive Schuldenrestrukturierung in Höhe von 500 bis 600 Millionen US-Dollar ab. Dies bestätigte der stellvertretende Group CEO Farouk Kamal in einem Interview.
Im Zentrum der Strategie steht die Fusion von sieben Einzelgesellschaften unter einem einzigen Banner. Ziel dieser Konsolidierung ist nicht nur eine operative Verschlankung, sondern eine fundamentale finanzielle Neuausrichtung. Kamal betonte, dass die Refinanzierungsinitiativen darauf ausgelegt sind, Laufzeiten zu strecken, Zinskosten drastisch zu senken und diverse Schuldentitel in wenigen Kreditinstrumenten zu bündeln.

Die Entkopplung von Capital A ermöglicht die finanzielle Sanierung des Konzerns
Die Muttergesellschaft Capital A wurde durch die Pandemie-Restriktionen schwer getroffen und von der malaysischen Börse als finanziell notleidend ('distressed') eingestuft. Die Übertragung aller AirAsia-Markenflugbetriebe an AirAsia X ist ein taktischer Schachzug, um das operative Fluggeschäft von den Sanierungslasten der Holding zu isolieren.
Durch diese strikte Trennung kann sich AirAsia X voll auf die Expansion und Kosteneffizienz konzentrieren. Gleichzeitig erhält Capital A den notwendigen Spielraum, um die eigenen Bilanzen unabhängig vom tagesaktuellen Fluggeschäft zu bereinigen. Dieser Schritt ist essenziell für das Vertrauen institutioneller Anleger in der Region.
Neue Airbus-Langstreckenjets forcieren den strategischen Angriff auf Europa
Operativ plant AirAsia X eine aggressive Rückkehr auf den europäischen Markt. Bereits Mitte dieses Jahres sollen Flüge nach London (Gatwick und Stansted) aufgenommen werden – das erste Mal seit über einem Jahrzehnt. Zusätzlich wird ein Hub in Bahrain entwickelt, um die Konnektivität nach Zentralasien, Europa und Afrika zu verbessern.
Das technische Rückgrat dieser Expansion bildet die Flotte. AirAsia X erwartet noch in diesem Jahr die Auslieferung von vier Airbus A321LR (Long Range). Mit einer bestehenden Flotte von 255 Maschinen und einer Bestellung über 50 A321XLR positioniert sich die Airline als ernstzunehmender Player im Langstrecken-Low-Cost-Segment.
Die Prognosen für Umsatz und EBITDA signalisieren eine vollständige Erholung
Die finanziellen Zielvorgaben nach der Konsolidierung sind ambitioniert. Chief Financial Officer Low Kar Chuan projiziert einen kurzfristigen Umsatz von annähernd 6 Milliarden US-Dollar. Dabei wird eine EBITDA-Marge von 20 Prozent sowie eine Passagierauslastung (Load Factor) von über 80 Prozent angestrebt.
Besonders relevant für Kreditgeber: Die Airline plant, sämtliche während der COVID-19-Pandemie gewähren Bankkredite innerhalb von zwei bis drei Jahren vollständig zu tilgen. Dies würde die Bilanzqualität signifikant verbessern und das Risiko für neue Investoren minimieren.


