Frankreich steht vor einem bemerkenswerten politischen Experiment. Louis Sarkozy, der 28-jährige Sohn des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy, ist nach 17 Jahren in den USA zurückgekehrt. Sein Ziel ist nicht nur das Bürgermeisteramt der 30.000-Einwohner-Stadt Menton, sondern ein Frontalangriff auf die Hegemonie des Rassemblement National (RN).
Der jüngste Sarkozy-Spross tritt als „Fallschirmkandidat“ an der Côte d’Azur an, einer Region, die traditionell konservativ wählt, aber längst zur Hochburg der Le-Pen-Partei avanciert ist. Unterstützt von den Républicains (LR) und Macrons Renaissance-Partei, will er beweisen, dass die bürgerliche Rechte noch lebensfähig ist.
„Die bürgerliche Rechte ist zurück!“, so Louis Sarkozy vor Anhängern in Menton.
Menton fungiert als strategisches Versuchslabor für die aggressive Neuausrichtung der Konservativen.
Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Menton gilt als Testmarkt. Gelingt es Sarkozy Junior, den RN hier zurückzudrängen, sendet dies ein Signal an die nationale Ebene. Er positioniert seine Liste „Renouveaux Mentonais“ als Antwort auf die Stagnation.
Dabei setzt er auf eine klare Abgrenzungsstrategie, die nicht auf Anbiederung, sondern auf Härte setzt. Er will das Monopol der Rechten brechen, das der RN derzeit hält. Seine Prognose für den politischen Gegner ist dabei so düster wie selbstbewusst.

Der Kandidat importiert radikale US-Methoden und libertäre Vorbilder in die französische Politik.
Louis Sarkozy ist kein klassischer französischer Politiker. Geprägt durch eine harte Militärausbildung an der Valley Forge Academy in Pennsylvania und den amerikanischen Patriotismus, orientiert er sich an Figuren wie Donald Trump und dem argentinischen Präsidenten Javier Milei.
Er bezeichnet sich als Bodybuilder, Waffenliebhaber und Bewunderer Napoleons. Seine politische Haltung ist frei von der in Europa üblichen moralischen Zurückhaltung gegenüber harter Geopolitik oder strikter Migrationspolitik. Für die Methoden der US-Einwanderungsbehörde ICE zeigt er Verständnis.
„Trump macht, was er angekündigt hat. Remigration ohne Waffen, ohne Zwang, das gibt es nicht. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Heuchler“, so Sarkozy weiter zur US-Innenpolitik.
Die Marke Sarkozy soll trotz justizieller Vorbelastungen als entscheidendes politisches Asset dienen.
Trotz der Verurteilung seines Vaters Nicolas Sarkozy wegen der Libyen-Affäre und dessen Haftstrafe, sieht Louis den Familiennamen als reinen Wettbewerbsvorteil. Er inszeniert sich bewusst als Erbe einer Dynastie – seinen eigenen Sohn benannte er nach dem römischen Diktator Sulla.
Diese Haltung spiegelt sich in einer offensiven Medienstrategie wider. Als Kolumnist für das rechte Magazin „Valeurs Actuelles“ und Kommentator beim Sender LCI besetzt er Themenfelder, die den RN rechts überholen oder libertär unterwandern sollen.
Das Duell gegen die etablierte RN-Kandidatin wird zur existenziellen Belastungsprobe.
Der Weg ins Rathaus ist keineswegs gesichert. Mit Alexandra Masson steht ihm eine etablierte RN-Abgeordnete gegenüber, die bei den letzten Parlamentswahlen direkt im ersten Wahlgang siegte. Sie attackiert Sarkozys fehlende lokale Verwurzelung.
Das Ergebnis in Menton wird zeigen, ob „soziale Reproduktion“ und Prominenz gegen die gut geölte Parteimaschinerie von Marine Le Pen bestehen können. Es ist ein Kampf zwischen globalisierter Prominenz und lokal verankertem Nationalismus.


