17. Februar, 2026

Unternehmen

Sanierungs-Hai Mutares schnappt sich Traditionsmarke Haro – Familien-Dynastie am Ende

Die Hamberger Industriewerke werfen das Handtuch und verkaufen ihre weltbekannte Boden-Sparte Haro an den Münchner Sanierungsspezialisten Mutares. Während das Traditionsunternehmen nach fast 160 Jahren zerbricht, rüstet der neue Eigner für einen riskanten Expansionsfeldzug in Asien.

Sanierungs-Hai Mutares schnappt sich Traditionsmarke Haro – Familien-Dynastie am Ende
Haro-Parkett vor Umbruch: Mutares plant massive Expansion in Asien nach Übernahme von Hamberger Flooring. 700 Mitarbeiter betroffen.

Die Hamberger Industriewerke, ein Name, der seit 1866 für bayerische Wertarbeit und familiäre Beständigkeit stand, verkaufen ihren Kernbereich Flooring. Die Marke Haro, Deutschlands unangefochtener Marktführer für Parkett, gehört künftig zum Portfolio der Mutares SE & Co. KGaA.

Es ist das bittere Ende einer Ära in Stephanskirchen bei Rosenheim. Nachdem die Firmengruppe bereits im Sommer 2025 ihren langjährigen CEO Dr. Peter M. Hamberger verlor und die Führung neu ausrichten musste, folgt nun der radikale Befreiungsschlag. Der Verkauf an einen Finanzinvestor, der für sein knallhartes Sanierungsgeschäft bekannt ist, markiert den endgültigen Rückzug der Gründerfamilie aus dem Parkett-Geschäft.

Hinter den Kulissen brodelte es schon länger. Trotz eines leichten Aufwinds in der Branche blieb der Margendruck durch hohe Rohstoff- und Energiekosten massiv. Dass Mutares nun zugreift, lässt tief blicken: Der Investor ist spezialisiert auf Unternehmen in „besonderen Situationen“ – ein Euphemismus für Sanierungsfälle mit erheblichem Restrukturierungsbedarf.

Ein Traditionsriese am Tropf der Sanierer soll nun den asiatischen Markt erobern

Die nackten Zahlen des Deals sind beeindruckend und beängstigend zugleich. Haro erwirtschaftet mit rund 700 Mitarbeitern an den Standorten in Deutschland und Bulgarien einen Umsatz von etwa 150 Millionen Euro. Doch die glorreichen Zeiten, in denen man sich auf dem heimischen Markt ausruhen konnte, sind vorbei. Mutares-Vorstand Johannes Laumann macht keinen Hehl daraus, wo die Reise hingehen soll.

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Er spricht von einer „außergewöhnlichen Gelegenheit“ und einer „weltweit anerkannten Premiummarke“. Doch die eigentliche Botschaft versteckt sich in der Wachstumsstrategie: Mutares will Haro vor allem in Asien zur neuen Blüte führen. Es ist ein hochgefährliches Spiel auf fremdem Terrain. Während die Baukonjunktur in Europa stagniert, setzt der Investor alles auf die Karte Fernost – eine Flucht nach vorn, die für das bayerische Traditionsgut zur Zerreißprobe werden könnte.

Für die Belegschaft in Stephanskirchen beginnt nun eine Zeit der Ungewissheit. Mutares ist nicht dafür bekannt, Strukturen konservativ zu bewahren, sondern sie auf maximale Effizienz zu trimmen. Die hochautomatisierten Produktionsstätten sollen zwar fortgeführt werden, doch der Druck, die Kosten weiter zu senken, wird unter dem neuen Regiment massiv steigen.

Der Rückzug der Familie Hamberger hinterlässt ein Trümmerfeld der Identität

In Rosenheim und Umgebung wird der Deal als Zäsur wahrgenommen. Der Geschäftsbereich Flooring war das Herzstück der Industriewerke. Dass dieser nun abgespalten wird, während nur die Sparte Sanitary (WC-Sitze) im Familienbesitz verbleibt, wirkt wie eine Amputation. Erst Ende 2025 musste Hamberger die Produktion von WC-Sitzen in Rohrdorf einstellen – ein Vorbote für den nun vollzogenen Kahlschlag.

Die strategische Neuausrichtung des Gesamtkonzerns, die seit 2023 läuft, hat bereits über 200 Arbeitsplätze gekostet. Der Verkauf an Mutares ist nun der finale Akt einer Entkernung, die viele langjährige Mitarbeiter fassungslos zurücklässt.

„Wir haben uns zwei Jahre Zeit erkauft“, hieß es oft bei ähnlichen Industriedeals – bei Hamberger scheint diese Zeit nun abgelaufen zu sein.

Johannes Laumann sieht in Haro eine „starke Plattform mit überzeugendem Wertschöpfungspotenzial“. Für die Börse war die Nachricht ein Signal zum Einstieg: Die Mutares-Aktie legte unmittelbar nach Bekanntwerden des Deals zu. Doch was für die Aktionäre in München nach einer lukrativen Akquisition klingt, bedeutet für das Handwerk in Bayern den Verlust eines eigenständigen, familiengeführten Vorzeigeunternehmens.

Globale Ambitionen treffen auf die harte Realität der bayerischen Fertigungskosten

Der Parkettmarkt in Deutschland zeigt zwar erste Anzeichen einer Stabilisierung, doch der Importdruck aus anderen Weltregionen bleibt eine permanente Bedrohung. Mutares will Haro als „neue Plattform“ im Segment Goods & Services etablieren. Das Ziel: Synergien heben, Kosten drücken, Weltmarkt erobern. Es ist die klassische Sprache des Private Equity, die selten Raum für regionale Tradition lässt.

Besonders die Expansion nach Asien birgt enorme Risiken. In einem Markt, der von aggressiven Preisen und lokalen Giganten dominiert wird, soll die „Premiummarke aus Bayern“ nun punkten. Ob die Marke Haro ihre Strahlkraft behält, wenn die Renditeziele der Münchner Investoren zur obersten Maxime werden, bleibt abzuwarten.

Was bleibt, ist ein Parketthersteller, der zwar noch in Bayern produziert, dessen Schicksal aber künftig in den klimatisierten Büros der Münchner Finanzelite entschieden wird. Die Ära der Hamberger-Dynastie im Bodenbelagsmarkt ist Geschichte – die Ära der Rendite-Maximierung hat gerade erst begonnen.

In der Welt des großen Geldes zählt eben nicht die Maserung des Holzes, sondern nur die schwarze Zahl unter der Bilanz.

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