Ein abruptes Aus für Carlos Tavares: Der Chef von Stellantis, dem viertgrößten Automobilhersteller der Welt, hat seinen Rücktritt verkündet. Ursache für seinen Rückzug sind erhebliche Differenzen mit dem Vorstand sowie sinkende Verkaufszahlen in einem sich rasant wandelnden Markt. Die überraschende Entscheidung fällt wenige Tage nach der Ankündigung der Schließung der Vauxhall-Transporterfabrik in Luton. Diese Maßnahme wurde im Zusammenhang mit den durch die britische Regierung auferlegten Regelungen für emissionsfreie Fahrzeuge gesehen, welche von Stellantis-Führungskräften stark kritisiert wurden. Henri de Castries, der leitende unabhängige Direktor bei Stellantis, erklärte, dass unterschiedliche Auffassungen zwischen Tavares und dem Vorstand zu der Entscheidung geführt haben. Die bisher harmonische Zusammenarbeit zwischen den Hauptaktionären, dem Vorstand und der Unternehmensleitung habe sich in jüngster Zeit geändert. Bis zur Ernennung eines neuen CEO im ersten Halbjahr 2025 wird ein interimistisches Führungskomitee unter der Leitung von John Elkann, dem Vorsitzenden von Stellantis, die Geschicke des Unternehmens lenken. Ursprünglich hatte Tavares bis 2026 bleiben sollen, jedoch erzwang der scharfe Rückgang der Verkaufszahlen eine frühere Personalentscheidung. Die Herausforderungen werden durch die Konkurrenz günstigerer chinesischer Anbieter verstärkt, die den Absatz Druck erhöhen. Zuletzt verbuchte Stellantis einen Umsatz von 33 Milliarden Euro im Quartal von Juli bis September – ein Rückgang von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen erhebliche Risiken für die Belegschaft, da durch die Schließung des Werkes in Luton 1.100 Arbeitsplätze gefährdet sind. Bereits im Vorfeld hatte Maria Grazia Davino, frühere UK-Managerin des Unternehmens, davor gewarnt, dass weitere Schließungen drohten, sollte die Regierung ihre Zielvorgaben für Elektrofahrzeuge nicht lockern. Dieses Szenario erscheint umso dramatischer, da Stellantis noch vor neun Monaten die Produktion von E-Autos in Luton zusicherte.
Wirtschaft
Rücktritt an der Spitze: Carlos Tavares verlässt Stellantis – Ein tiefer Blick auf die Hintergründe