Die jüngsten Entwicklungen in den Vorstandsetagen der bedeutendsten an der Börse notierten Unternehmen Deutschlands weisen auf eine unerwartete Umkehrung in den Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter hin. Eine aktuelle Analyse der renommierten Personalberatung Russell Reynolds zeigt, dass der Anteil von Frauen in den Führungsriegen der im Dax und MDax gelisteten Unternehmen im Jahr 2025 leicht zurückgegangen ist.
Im Dax beträgt der Anteil der weiblichen Mitglieder in den Vorständen aktuell 25,5 Prozent, was einen Rückgang von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Dieses Ergebnis ist insbesondere bemerkenswert, da bestimmte Unternehmen wie Beiersdorf, Merck, MTU und Siemens Healthineers durch einen Frauenanteil von über 50 Prozent in ihren Vorständen hervorstechen. Im Gegensatz dazu verzeichnen Unternehmen wie Porsche und Brenntag keinerlei weibliche Vertretung in ihren Führungsgremien, was auf einen erheblichen Nachholbedarf hindeutet.
Im MDax hat sich die Situation noch deutlicher verändert, wobei der Frauenanteil um 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 19,5 Prozent gesunken ist. Diese Entwicklung markiert das Ende eines zuvor zehnjährigen Aufwärtstrends. Zudem wird das Bild dadurch getrübt, dass Frauen in Vorständen häufig den Bereich Personalwesen verantworten, während ihnen operative Geschäftsbereiche weitgehend verschlossen bleiben, was auf eine ungleiche Verteilung der Entscheidungsmacht hinweist.
Im internationalen Vergleich fällt auf, dass lediglich Deutschland und Schweden Rückschritte in der Gleichstellung in Unternehmensvorständen verzeichnen, während Länder wie Norwegen mit einem Frauenanteil von über einem Drittel führend sind. Der Studienautor Jens-Thomas Pietralla erkennt in der ungleichen Machtverteilung und der tendenziell kürzeren Verweildauer von Frauen in Führungspositionen klare Hinweise darauf, dass die strukturelle Gleichstellung noch nicht vollständig umgesetzt ist.
Diese Entwicklungen werfen grundlegende Fragen über die Fortdauer von Ungleichheiten in oberen Unternehmensetagen auf und verdeutlichen, dass trotz jahrelanger Bemühungen und einiger Fortschritte noch erheblicher Handlungsbedarf besteht, um eine ausgewogene Repräsentation von Frauen in Führungspositionen sicherzustellen. Strukturen und Kulturen innerhalb der Unternehmen müssen hinsichtlich Diversität und Inklusion überdacht und angepasst werden, um zukünftig echte Gleichstellung zu erreichen.