Es sind Bilder, die in die Geschichtsbücher eingehen werden: Dunkle Polizeifahrzeuge vor dem königlichen Anwesen Sandringham, Beamte, die das Gelände absperren, und ein ehemaliger Prinz, der in Polizeigewahrsam abgeführt wird. Ausgerechnet an seinem 66. Geburtstag holt die Vergangenheit Andrew Mountbatten-Windsor mit voller Härte ein. Was jahrelang als moralischer Abgrund in der Epstein-Affäre galt, hat nun eine neue, juristisch brandgefährliche Qualität erreicht: Der Vorwurf lautet „misconduct in public office“ – schwerer Amtsmissbrauch in offizieller Funktion.

Der Fall ist ein politisches und gesellschaftliches Erdbeben für Großbritannien. Während das Land noch die Veröffentlichung der gigantischen „Epstein-Files“ verdaut – ein Datenberg von 3,5 Millionen Seiten, der die Abgründe der Elite offenlegt –, sitzt ein Mitglied der engsten Königsfamilie in einer Zelle. Die Thames Valley Police fackelt nicht lange: Durchsuchungen in Berkshire und Norfolk laufen auf Hochtouren. Es geht um geheime Regierungsberichte, die Andrew illegal an den pädophilen Multimillionär Jeffrey Epstein geschleust haben soll.
Verrat an der Krone: Geheime Staatsakten für einen Sexualstraftäter
Die Vorwürfe wiegen schwerer als alles bisher Bekannte. Es geht nicht mehr „nur“ um moralisches Fehlverhalten, sondern um den Verdacht des kriminellen Geheimnisverrats. E-Mails belegen angeblich, dass Andrew im Jahr 2010 vertrauliche Handelsberichte über seine Südostasien-Reise direkt an Jeffrey Epstein schickte – zu einem Zeitpunkt, als er als Sonderbotschafter der britischen Regierung für internationalen Handel fungierte. Epstein war damals bereits ein verurteilter Sexualstraftäter.
Sollten sich die Vorwürfe erhärten, droht Andrew eine langjährige Haftstrafe. Die Ermittler haben durch die Festnahme nun Zugriff auf Computer, verschlüsselte Dateien und private Korrespondenzen, die das wahre Ausmaß der Verbindung zwischen dem Prinzen und dem Missbrauchsring offenlegen könnten. Zudem steht ein weiterer düsterer Vorwurf im Raum: Eine Frau soll gegen ihren Willen zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein. Die Polizei lässt keinen Zweifel daran, dass sie diesen Fall mit aller Härte verfolgt, da das „öffentliche Interesse“ an einer lückenlosen Aufklärung immens ist.

Die radikale Wende: König Charles III. bricht mit der Tradition
Noch bemerkenswerter als die Festnahme selbst ist die Reaktion des Palastes. König Charles III. bricht radikal mit dem jahrhundertealten Kodex der königlichen Familie, die eigenen Mitglieder um jeden Preis zu schützen. In einem beispiellosen Statement machte der Monarch klar:
„Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“
Charles bietet den Behörden die „uneingeschränkte Zusammenarbeit“ an. Es ist ein diplomatischer Vernichtungsschlag gegen seinen eigenen Bruder.
Hinter den Kulissen soll vor allem Thronfolger Prinz William auf diesen harten Kurs gedrängt haben. Die Logik dahinter ist kühl berechnet: William will kein „kontaminiertes Erbe“ antreten. Die Monarchie steht an einem Scheideweg. Um in der modernen Welt relevant zu bleiben, muss Charles den „Stall ausmisten“, wie Royal-Experte Andrew Lownie treffend analysiert. Jede weitere Form der Protektion für Andrew würde das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Institution endgültig zerstören.
Das dunkle Erbe der Epstein-Files vernichtet die High Society
Die Festnahme ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit das US-Justizministerium die riesigen Aktenbestände zu Jeffrey Epstein veröffentlicht hat, brennt es in den Chefetagen von Politik und Wirtschaft. Die Tatsache, dass das bekannteste Opfer, Virginia Giuffre, im April 2025 Suizid beging, hat die moralische Empörung in der Bevölkerung ins Unermessliche gesteigert. Der öffentliche Druck auf Scotland Yard und die Regionalpolizei war zuletzt so groß, dass ein Nichthandeln einer politischen Bankrotterklärung gleichgekommen wäre.
Andrew hat seine Titel bereits verloren, sein Anwesen räumen müssen und lebt nun als Privatmann unter der Lupe der Justiz. Doch für das Haus Windsor geht es um mehr als nur um eine Person. Es geht darum, ob die Krone über dem Gesetz steht oder ob sie bereit ist, sich selbst zu reinigen. Mit der Verhaftung Andrews ist der Schutzwall des Buckingham Palace gefallen. Die nächsten 96 Stunden, in denen Andrew ohne richterlichen Beschluss festgehalten werden kann, werden darüber entscheiden, ob weitere Köpfe in der High Society rollen.
Vom „Lieblingssohn“ der Queen zum Häftling in Norfolk – tiefer kann ein Fall von den Stufen des Thrones nicht sein.



