In den Werkshallen von GE Aerospace in Singapur findet derzeit eine technologische Wachablösung statt. Techniker wie Suresh Sinnaiyan, die jahrzehntelang Kompressorschaufeln mit höchster manueller Präzision geschliffen haben, trainieren nun Roboter, diese filigranen Aufgaben zu übernehmen. Die Investition von bis zu 300 Millionen Dollar ist die Antwort auf eines der größten Probleme der Luftfahrt: überlastete Werkstätten und der Mangel an kritischen Bauteilen.

Da moderne Triebwerke unerwartet hohen Verschleiß zeigen und neue Flugzeuge nur verzögert ausgeliefert werden, müssen ältere Maschinen länger fliegen. Dies hat die Warteschlangen in den Reparaturzentren auf Monate anwachsen lassen. GE Aerospace setzt nun auf Automation, um gebrauchte Teile schneller und kostengünstiger wieder einsatzfähig zu machen, statt sie durch teure Neuteile zu ersetzen.
„Flight Deck“: Effizienz nach dem Vorbild der Automobilindustrie
CEO Larry Culp überträgt mit dem System „Flight Deck“ die Prinzipien der schlanken Produktion (Lean Manufacturing) auf die Luftfahrt. Es geht darum, Verschwendung zu eliminieren und jeden Arbeitsschritt kontinuierlich zu verbessern. Ein konkretes Beispiel: Die Reparaturzeit für Turbinendüsen des CFM56-Triebwerks wurde bereits deutlich gesenkt. Lag sie 2021 noch bei 40 Tagen, peilt GE bis 2028 nur noch 21 Tage an.
Gleichzeitig schafft das Werk Platz für die nächste Generation: Rund ein Drittel der Bodenfläche wird für die Wartung der neueren LEAP-Triebwerke vorbereitet. Da diese Triebwerke nun vermehrt in die ersten Überholungszyklen kommen, ist die Entwicklung zertifizierter Reparaturverfahren essenziell, um die Abhängigkeit von knappen Neuteilen zu verringern.
Roboter mit dem „Human Touch“
Die größte Herausforderung bleibt die Automatisierung von Prozessen, die bisher rein auf dem Fingerspitzengefühl erfahrener Mechaniker basierten. Beim sogenannten „Blending“ – dem präzisen Nachschleifen von verformten Schaufelspitzen – müssen Toleranzen von wenigen Tausendstel Millimetern eingehalten werden.
GE wettet darauf, dass die Erfassung dieser handwerklichen Fähigkeiten in wiederholbaren Roboterprozessen nicht nur die Kosten senkt, sondern auch den Fachkräftemangel abfedert. Da Triebwerkshersteller einen Großteil ihrer Gewinne im Servicegeschäft erzielen, gilt die Entwicklung solcher spezialisierten Reparaturverfahren als das „Geheimrezept“ des Konzerns.

Fazit: Ende der „Feuerwehr-Mentalität“
Obwohl die Automation in Singapur den Druck im Kessel mindern kann, warnen Analysten, dass der zugrunde liegende Teilemangel nicht über Nacht verschwinden wird. Larry Culp betont jedoch, dass der Übergang von „Heldentaten bei der Brandbekämpfung“ hin zu einer stabilen, prozessgesteuerten Performance der einzige Weg sei, um die Kapazitäten langfristig zu sichern. Für die Fluggesellschaften könnte dies mittelfristig stabilere Wartungskosten und weniger Flugausfälle bedeuten.

