Der Markt reagiert positiv, obwohl die Zahl kleiner geworden ist. Als die DZ Bank ihr Kursziel für Rheinmetall von 2.385 auf 2.290 Euro senkt, springt die Aktie dennoch nach oben. Knapp zwei Prozent Plus im Xetra-Handel sind ein klares Signal: Für Investoren zählt nicht die Anpassung im Detail, sondern die strategische Richtung, die der Analyse zugrunde liegt.
Die DZ Bank bleibt trotz Abstrichen überzeugt
Analyst Holger Schmidt belässt seine Einstufung für die Aktie der Rheinmetall AG auf „Kaufen“. Die Senkung des fairen Werts ist keine Abkehr vom Investmentcase, sondern eine Feinjustierung. Entscheidend ist der Kern der Analyse: Rheinmetall wird als fokussierter Anbieter von Verteidigungstechnik gesehen – und genau darin liegt nach Ansicht der DZ Bank das größere Wachstumspotenzial.
Der Abschlag beim Kursziel spiegelt weniger operative Schwäche als konservativere Annahmen wider. Angesichts der Kursentwicklung der vergangenen Monate war eine Neubewertung fast zwangsläufig. Die Aktie notiert aktuell bei rund 1.784 Euro und damit deutlich unter dem neuen fairen Wert. Der Abstand bleibt komfortabel.
Der Abschied vom zivilen Geschäft verändert das Profil
Zentraler Punkt der Studie ist der geplante Verkauf des zivilen Geschäfts. Für die DZ Bank ist dieser Schritt „zu begrüßen“. Rheinmetall trennt sich damit von einem Bereich, der zwar stabil, aber margenschwach und konjunkturabhängig ist. Übrig bleibt ein Unternehmen, dessen Geschäft fast vollständig von Verteidigungsaufträgen getragen wird.
Diese Fokussierung hat Folgen. Zum einen wird das Geschäftsmodell klarer und für Investoren leichter bewertbar. Zum anderen steigt die Abhängigkeit von staatlichen Budgets – allerdings in einem Umfeld, in dem genau diese Budgets strukturell wachsen. Europa rüstet auf, und Rheinmetall gehört zu den wenigen Anbietern, die kurzfristig liefern können.
Verteidigungsausgaben sorgen für planbares Wachstum
Die DZ Bank argumentiert mittelfristig. Als reiner Rüstungsanbieter dürfte Rheinmetall attraktivere Wachstumsraten erzielen als in der bisherigen Mischstruktur. Der Auftragsbestand ist hoch, die Pipeline gut gefüllt, und die politische Großwetterlage spielt dem Konzern in die Karten.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine haben viele europäische Staaten ihre Verteidigungsetats dauerhaft erhöht. Diese Mittel fließen nicht nur in neue Systeme, sondern auch in Munition, Wartung und Ersatzteile – alles Bereiche, in denen Rheinmetall stark positioniert ist. Das sorgt für planbare Umsätze über Jahre hinweg.

Bewertung bleibt trotz Rally nicht ausgereizt
Bemerkenswert ist die Einschätzung zur Bewertung. Trotz der starken Kursrally der vergangenen Zeit sieht die DZ Bank die Aktie nicht als überteuert an. Im Gegenteil: Das Bewertungsniveau wird als attraktiv bezeichnet, insbesondere im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern.
Das liegt auch daran, dass Rheinmetall operativ noch nicht am Ende seines Skalierungspotenzials angekommen ist. Produktionskapazitäten werden ausgebaut, neue Werke geplant, Lieferketten gesichert. Die Investitionen belasten kurzfristig, erhöhen aber die Ertragskraft in den kommenden Jahren.
Der Markt folgt der strategischen Logik
Die Reaktion der Aktie am Tag der Analyse ist aufschlussreich. Trotz gesenktem Kursziel legt das Papier zu. Das deutet darauf hin, dass der Markt die Kernaussage der Studie teilt. Anleger honorieren die strategische Klarheit mehr als kosmetische Anpassungen in der Bewertung.
Mit über 140.000 gehandelten Aktien am Vormittag ist das Interesse hoch. Rheinmetall bleibt ein Schwergewicht im deutschen Rüstungssektor und ein zentraler Profiteur der sicherheitspolitischen Neuordnung Europas.

Risiken bleiben politisch, nicht operativ
Natürlich ist das Investment nicht risikofrei. Die größte Unsicherheit liegt nicht im operativen Geschäft, sondern im politischen Umfeld. Exportgenehmigungen, regulatorische Eingriffe und ethische Debatten können jederzeit Einfluss nehmen. Doch genau diese Risiken sind bekannt und weitgehend eingepreist.
Operativ liefert Rheinmetall. Die Auftragsbücher sind voll, die Margen steigen, und die strategische Ausrichtung ist klarer denn je. Die DZ Bank setzt darauf, dass dieser Fokus langfristig höhere Bewertungen rechtfertigt.
Ein Industrieunternehmen wird zum Rüstungskonzern
Der Umbau von Rheinmetall ist mehr als ein Portfolio-Schritt. Er markiert den Übergang von einem breit aufgestellten Industriekonzern zu einem spezialisierten Verteidigungsunternehmen. Für Investoren bedeutet das höhere Zyklizität, aber auch höhere Wachstumschancen.
Die Kaufempfehlung der DZ Bank ist deshalb weniger eine Wette auf den nächsten Quartalsbericht als auf eine strukturelle Entwicklung. Wer Rheinmetall kauft, investiert in eine sicherheitspolitische Realität, die sich nicht kurzfristig ändern wird.
Der Markt hat das verstanden – und reagiert entsprechend nüchtern auf ein niedrigeres Kursziel, solange die strategische Geschichte intakt bleibt.

