Ein Werk, das Europa verändert
Unterlüß – ein Ort, der bislang nur Insidern ein Begriff war – wird zum Symbol der neuen europäischen Rüstungsära. Dort hat Rheinmetall seine größte Munitionsfabrik eröffnet, eine Anlage von gigantischen Dimensionen: zwei Werksteile, so groß wie mehrere Fußballfelder, ausgelegt auf Hunderttausende Geschosse jährlich.
Die Politik feiert mit: Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister Lars Klingbeil und NATO-Generalsekretär Mark Rutte lassen sich den Auftritt nicht entgehen. Für die Bundesregierung ist die Fabrik mehr als ein regionales Industrieprojekt – sie ist ein strategisches Signal.
Produktion auf Rekordniveau
Noch in diesem Jahr sollen 25.000 Granaten des NATO-Standards 155 Millimeter vom Band laufen. 2027 will Rheinmetall bei 350.000 Stück jährlich liegen – fast das Doppelte der ursprünglich geplanten Kapazität. Parallel dazu wird das Werk für Raketenmotoren vorbereitet. In zwei Jahren sollen bis zu 10.000 Raketen pro Jahr gefertigt werden.
Damit positioniert sich der Konzern als unverzichtbarer Lieferant im Bündnis. Für CEO Armin Papperger ist es die Erfüllung einer strategischen Vision: Deutschland soll im Bereich Munition wieder souverän werden.
Lockheed Martin – ein Partner mit Gewicht
Passend zur Eröffnung verkündet Rheinmetall eine noch engere Kooperation mit dem US-Rüstungsgiganten Lockheed Martin. Geplant ist nicht nur die Fertigung von Komponenten für den F-35, sondern auch von ballistischen Raketen wie ATACMS und Hellfire – beides Waffen, die bereits in der Ukraine im Einsatz sind.

Industriekreise berichten, dass sogar eine gemeinsame Raketenmotorenproduktion in Europa diskutiert wird. Rheinmetall spricht von einem möglichen Milliardenmarkt: Bis zu 18,5 Milliarden Euro Umsatzpotenzial binnen zehn Jahren.
Vom Zivilgeschäft zur reinen Rüstungsmaschine
Während Rheinmetall Milliarden in neue Werke steckt, verabschiedet sich der Konzern schrittweise vom zivilen Geschäft. Autofabriken in Berlin und Neuss werden für Munitionskomponenten umgerüstet. Gespräche über den Verkauf ganzer Geschäftsteile laufen bereits. Papperger will die Konzentration auf das Militär bis 2026 abgeschlossen haben.
Expansion ohne Grenzen
Unterlüß ist nur der Anfang. Neue Fabriken entstehen in Bulgarien, weitere Projekte sind in Polen, Schweden, Rumänien und Italien geplant. Rheinmetall denkt längst in europäischen Dimensionen – nicht nur national.
Was als Prestigeprojekt in Niedersachsen begann, entwickelt sich zu einem geopolitischen Machtfaktor. Rheinmetall ist auf dem Weg, zum zentralen Waffenlieferanten des Westens zu werden. Und das mit einer Geschwindigkeit, die selbst die Politik überrascht.
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