In der US-amerikanischen Rechtswelt sorgt generative Künstliche Intelligenz (KI) für frischen Wind und eröffnet Kanzleien neue Möglichkeiten, ihre Arbeit effizienter, schneller und kostengünstiger zu gestalten. Zwei Jahre nach der Markteinführung des revolutionären KI-Tools ChatGPT von OpenAI sehen sich Anwaltskanzleien einem Dilemma gegenüber: Wie lässt sich die neue Technologie gewinnbringend integrieren, ohne bestehende Arbeitsplätze zu gefährden oder die Qualität der Dienstleistungen zu beeinträchtigen?
Isabel Parker, Chief Innovation Officer bei White & Case, sieht ein enormes Potenzial in der Technologie, das man als Kanzlei verantwortungsbewusst und zum Vorteil der Mandanten nutzen möchte. Die Herausforderung liegt darin, diese Innovation sicher in den Kanzleialltag einzuführen. Inzwischen nähern sich immer mehr Kanzleien der Erkenntnis, wie sie mit KI ihre Arbeit optimieren können.
Crowell & Moring beispielsweise verwendet seit 2023 generative KI für nicht-vertrauliche Aufgaben und fördert deren Einsatz in spezifischen Fällen, bei denen die Vorteile überwiegen und das Einverständnis der Mandanten vorliegt. Besonders die Reduzierung der Bearbeitungszeiten bei Mandantenbriefings hat signifikante Effizienzsteigerungen gebracht.
Auch Dechert setzt auf maßgeschneiderte KI-Werkzeuge, um enorme Datensätze zu durchforsten und Anfragen im Stil erfahrener Anwälte zu beantworten. Zukünftig sollen KI-Agenten komplexe rechtliche Aufgaben übernehmen und so als vollwertige Teammitglieder agieren können.
Bedeutende Hürden bleiben jedoch die technologische Sachkenntnis und die Zurückhaltung der Mandanten, besonders wenn es um den Zugriff von KI auf sensible Daten geht. Crowell begegnet dem mit verpflichtenden KI-Schulungen für die Mitarbeiter, während White & Case mit einem selbst entwickelten Sprachmodell ihren Datenbestand schützt.
Die vollständige Integration von KI in die Rechtspraxis ist noch nicht erreicht, aber die bisherigen Erfolge sind ermutigend. "Technologie ermöglicht es uns, uns wieder auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren", sagt Asay. Mit wachsendem Datenvolumen sei dies unerlässlich, um Menschen die Konzentration auf ihre wichtigsten Aufgaben zu ermöglichen.