Die ikonischen Telefonzellen, die in den 1990er Jahren markante Bestandteile vieler deutscher Städte waren, erfahren derzeit eine bemerkenswerte Wiederbelebung. Anstatt als Elektroschrott entsorgt zu werden, erhalten viele der ursprünglich bis zu 160.000 aufgestellten Telefonzellen eine neue Bestimmung in zahlreichen kreativen Projekten. Ein Sprecher der Deutschen Telekom hebt die Vielseitigkeit dieser Anwendungen hervor, die von privaten Gartenduschen über improvisierte Gewächshäuser bis hin zu Verkaufsständen für frische Eier reichen.
Besonders bemerkenswert ist ein Projekt an der Ostsee, bei dem ein ausrangiertes Telefonhäuschen als öffentliche Dusche für Strandbesucher genutzt wird. Seit 2013 hat die Deutsche Telekom rund 4.000 dieser ehemaligen Telekommunikationskästen veräußert. Diese robusten Strukturen mit einem Gewicht von etwa 300 Kilogramm konnten für einen Kaufpreis von 550 Euro erworben werden, was das Interesse vieler an der kreativen Umnutzung dieser Relikte weckte.
Eine der beliebtesten Anwendungen ist die Umgestaltung der Telefonzellen in öffentliche Bücherregale. In Dresden und Umgebung existieren bereits über ein Dutzend solcher Mini-Bibliotheken, während in Köln eine ehemalige Telefonzelle als Tauschstation für verschiedene Haushaltsartikel fungiert. Trotz gelegentlicher Nutzung als Sperrmüllablage funktioniert das Konzept des Buch- und Warentauschs bemerkenswert gut und trägt zur Bereicherung des Gemeinschaftslebens bei.
Ein weiteres inspirierendes Projekt findet sich in Coburg, Bayern, wo eine speziell umgebaute „Foodsharing-Telefonzelle“ die Lebensmittelverschwendung bekämpft, indem sie rund um die Uhr Backwaren an Bedürftige verteilt. Dieser Betrieb wird durch ein Netzwerk von Ehrenamtlichen ermöglicht, die die Qualität der Lebensmittelspenden überprüfen und sie an verschiedenen Stellen der Stadt bereitstellen.
Auch an der Ostseeküste sind ähnliche Initiativen zu beobachten. In Großenbrode bietet ein umgestaltetes Telefonhäuschen Strandbesuchern eine Dusche mit frischem Ostseewasser. Auf der Insel Rügen, im kleinen Ort Ummanz, steht ein farbenfroh bemaltes Häuschen für den Büchertausch bereit, inspiriert von der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.
Die Deutsche Telekom hat den Verkauf dieser Zellen Ende 2025 eingestellt, da alle nutzbaren Einheiten mittlerweile vergeben sind. Die verbliebenen, beschädigten Exemplare werden aktuell recycelt. Dennoch bleibt das Interesse an diesen nostalgischen Objekten ungebrochen. Auf dem Markt erzielen sie aufgrund ihrer historischen und ästhetischen Anziehungskraft hohe Preise, wobei manche Sammlerstücke in Online-Anzeigen bis zu 1.800 Euro kosten können. Diese Entwicklung zeigt, dass die Telefonzelle noch lange nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden wird.