01. Januar, 2026

Unternehmen

Rekordjahr bei Siemens Energy – droht jetzt die Korrektur?

Milliarden-Rückkäufe und volle Auftragsbücher stützen die Aktie. Doch nach dem Kursrausch sendet der Markt erste Warnsignale.

Rekordjahr bei Siemens Energy – droht jetzt die Korrektur?
Rekordaufträge und Milliarden-Rückkauf stützen Siemens Energy. Doch technische Indikatoren warnen vor weiterer Korrektur.

Der Turnaround ist vollzogen, der Zweifel weicht – und genau darin liegt das neue Risiko. Siemens Energy beendet das Börsenjahr 2025 operativ so stark wie nie zuvor. Doch ausgerechnet nach der beeindruckenden Rallye gerät die Aktie technisch unter Druck.

Der Rückkauf ist mehr als Symbolpolitik

Der wichtigste Vertrauensbeweis kommt vom Management selbst. Siemens Energy hat ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu sechs Milliarden Euro angekündigt, gestreckt bis 2028. Für Investoren ist das ein klares Signal: Die Phase existenzieller Sorgen ist vorbei, die Bilanz trägt wieder.

Flankiert wird der Rückkauf von einem Rekordauftragsbestand in Höhe von 138 Milliarden Euro. Besonders gefragt sind Netzinfrastrukturprojekte und Gaskraftwerke – beides Bereiche, die vom globalen Umbau der Energiesysteme profitieren. Die Visibilität der Umsätze ist hoch, die Planbarkeit besser als in den Krisenjahren zuvor.

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Operative Zahlen liefern die Rechtfertigung

Auch auf der Ergebnisebene hat Siemens Energy geliefert. Mit einer operativen Marge von zuletzt 6,0 Prozent übertraf der Konzern die Erwartungen vieler Marktbeobachter. Nach Jahren operativer Baustellen wirkt das Geschäftsmodell erstmals wieder stabil skaliert.

Die positive Entwicklung blieb an der Analystenfront nicht unbeachtet. Die Baader Bank hob ihr Kursziel auf 146 Euro an und unterstrich damit die wachsende Zuversicht institutioneller Investoren. Fundamentale Argumente für die Neubewertung sind vorhanden.

Eine Aktie im Ausnahmejahr

Die nackten Zahlen zeigen, wie außergewöhnlich 2025 für Siemens Energy war. Seit Jahresbeginn legte die Aktie um rund 139 Prozent zu. Aus einem Sanierungsfall wurde einer der stärksten Titel im deutschen Leitindex-Umfeld.

Doch genau dieser Erfolg erhöht nun die Fallhöhe. Der Kurs notiert aktuell rund 15 Prozent unter dem erst kurz vor Weihnachten erreichten 52-Wochen-Hoch von 141,84 Euro. Der Rücksetzer kam schnell – und ohne neue fundamentale Belastungen.

Der Markt sucht nach Luft

Technisch ist die Lage angespannt. Der Relative-Stärke-Index liegt mit über 85 klar im überkauften Bereich. Solche Werte signalisieren selten das Ende eines langfristigen Trends, sehr wohl aber das Ende einer überhitzten Phase.

Auch der Abstand zur 200-Tage-Linie ist beträchtlich. Das bestätigt zwar den intakten Aufwärtstrend, erhöht aber kurzfristig die Anfälligkeit für weitere Gewinnmitnahmen. Nach einem solchen Lauf braucht der Markt Zeit, um neue Käufer zu finden, die bereit sind, auf diesem Niveau einzusteigen.

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Konsolidierung statt Trendbruch

Entscheidend wird sein, ob sich die Aktie oberhalb zentraler Unterstützungen stabilisieren kann. Der Bereich um den 50-Tage-Durchschnitt bei etwa 114 Euro gilt als erste Bewährungsprobe. Hält diese Zone, dürfte die Korrektur eher als technische Abkühlung in einem übergeordneten Aufwärtstrend zu werten sein.

Bricht sie, könnte sich die Konsolidierung ausweiten – ohne die langfristige Story grundsätzlich infrage zu stellen.

Fundament und Technik laufen auseinander

Siemens Energy steht zum Jahresende exemplarisch für ein klassisches Börsenphänomen. Fundamentale Stärke und technische Übertreibung existieren gleichzeitig. Operativ spricht vieles für das Unternehmen: Rückkäufe, Auftragsrekorde, steigende Margen.

Kurzfristig jedoch ist die Aktie kein Selbstläufer mehr. Der Markt hat viel Positives vorweggenommen. Neue Impulse müssen nun entweder aus weiteren Ergebnisverbesserungen oder aus einer ausreichend langen Konsolidierung kommen.

Geduld wird wieder zum Faktor

Nach der spektakulären Aufholjagd ist das Momentum nicht verschwunden, aber es hat an Tempo verloren. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Siemens Energy ein grundlegend veränderter Konzern. Für kurzfristige Investoren dagegen ist Vorsicht angebracht.

Der Unterschied zwischen Einstiegschance und Überdehnung entscheidet sich nicht an der Schlagzeile vom Rekordjahr, sondern daran, wie diszipliniert der Markt nun mit seinen eigenen Erwartungen umgeht.

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