Deutschland verliert im globalen Ranking den Anschluss an die absolute Spitze
Die Mobilitätsanalyse der britischen Beratungsfirma Henley & Partners zeichnet für das Jahr 2026 ein ernüchterndes Bild für die Bundesrepublik. Im prestigeträchtigen Henley Passport Index, der die Reisefreiheit von Reisepässen weltweit in Echtzeit bewertet, musste Deutschland einen Rangverlust hinnehmen. Während der deutsche Pass in den Vorjahren stabil auf dem dritten Platz rangierte, rutscht die Bundesrepublik nun auf den vierten Platz ab.
Aktuell ermöglichen deutsche Reisedokumente den visafreien Zugang zu exakt 185 Destinationen. Dies stellt zwar weiterhin einen hohen Grad an globaler Mobilität dar, reicht jedoch im internationalen Wettbewerb nicht mehr für das Podium. Der Index basiert auf der Analyse von 199 Ländern und 227 möglichen Reisezielen und gilt als der Referenzwert für die geopolitische Stärke von Staatsbürgerschaften.
Bürokratische Verschärfungen in vier Staaten erzwingen den deutschen Abstieg
Der Rückgang im Ranking ist direkt auf veränderte Einreisebestimmungen in spezifischen Zielregionen zurückzuführen. Konkret haben die Philippinen, Kenia, Namibia und Burkina Faso ihre Regularien für deutsche Staatsangehörige verschärft. In diesen Ländern ist eine spontane Einreise ohne vorherige administrative Schritte nicht mehr möglich.
Statt der bisherigen Visafreiheit oder der Ausstellung eines Visums bei Ankunft (Visa on Arrival), fordern diese Staaten nun Registrierungen oder Genehmigungsverfahren im Vorfeld der Reise. In der strengen Methodik von Henley & Partners führen diese bürokratischen Hürden dazu, dass die betroffenen Länder nicht mehr als visafreie Destinationen gewertet werden, was den Score Deutschlands direkt mindert.

Asiatische und skandinavische Nationen bauen ihre Führungspositionen weiter aus
An der Spitze des Indexes manifestiert sich die Dominanz asiatischer Pässe. Singapur verteidigt seine Position als mächtigster Reisepass der Welt mit Zugang zu 192 Ländern. Dicht gefolgt wird der Stadtstaat von Japan und Südkorea, die sich mit 188 visafreien Zielen den zweiten Platz teilen. Diese Stabilität an der Spitze verdeutlicht die diplomatische Reichweite dieser asiatischen Volkswirtschaften.
Bemerkenswert ist zudem die Dynamik innerhalb Europas und Nordamerikas. Schweden verzeichnet einen signifikanten Sprung vom sechsten auf den dritten Platz, begünstigt durch verbesserte bilaterale Abkommen. Auch die USA kehren nach einer Schwächephase in die Top Ten zurück, während Großbritannien durch neue Einreiseerleichterungen auf Rang sieben vorrückt.
Die geopolitische Schere der Reisefreiheit öffnet sich zunehmend
Neben den Verschiebungen an der Spitze offenbart der Index eine dramatische Ungleichheit in der globalen Mobilität. Das Schlusslicht bildet weiterhin Afghanistan, dessen Bürger lediglich 24 Länder visafrei bereisen können. Dies markiert den niedrigsten Wert im gesamten Index und unterstreicht die Isolation des Landes.
Analytisch besorgniserregend ist die Zunahme der stark eingeschränkten Staaten. Die Anzahl der Länder, deren Bürger weniger als 40 visafreie Ziele zur Verfügung haben, ist im Vergleich zum Vorjahr von acht auf 13 gestiegen. Diese Entwicklung indiziert eine wachsende Kluft zwischen den hochmobilen Industrienationen und Krisenregionen, deren Bewohnern der Zugang zur globalen Wirtschaft faktisch verwehrt bleibt.


